Dreijähriger Cain

Verdächtiger verhaftet, Mutter im Visier der Polizei

Österreich
12.01.2011 13:29
Der gesuchte Serbe Milosav M., der am Samstagabend in Bregenz den dreijährigen Cain zu Tode geprügelt haben soll, ist am Dienstagnachmittag im Schweizer Kanton Appenzell-Ausserrhoden verhaftet worden. Der Mann wurde im Zuge einer Verkehrskontrolle in Herisau angehalten und habe sich widerstandslos festnehmen lassen. Laut Obduktionsbericht wurde Cain u.a. mit einem Besenstiel zu Tode geprügelt. Zuvor hatte die Polizei verkündet, dass nun auch gegen die Mutter ermittelt wird.

Milosav M. war nach der Tat mit dem Auto seiner Lebensgefährtin, der Mutter von Cain und dessen sechsjährigem Bruder, geflüchtet. Die österreichischen Behörden ließen daraufhin europaweit nach dem gebürtigen Serben wegen Mordverdachts fahnden. Wie die "Krone" am Dienstagnachmittag erfuhr, wurde M. nun in der Schweiz gefasst. 

Die Verhaftung des Beschuldigten, der unbewaffnet war, erfolgte kurz nach 14 Uhr mit Hilfe der Sondereinheit "Säntis". "Das war eine ausgezeichnete Leistung der Schweizer Polizei", lobte der Vorarlberger Chefermittler Norbert Schwendinger die Kollegen. Das Auslieferungsverfahren wurde eingeleitet, wenn der 25-Jährige einem verkürzten Verfahren zustimmt, könnte er laut Schwendinger innerhalb einer Woche in Vorarlberg sein.

Wie M., der am Montag 26 Jahre alt geworden war, die Tage seit seiner Flucht vom Tatort verbracht hat, war vorerst nicht bekannt. Der tatverdächtige Serbe wurde zwar mittlerweile in der Schweiz von der dortigen Polizei befragt, zum Inhalt konnte Schwendinger Mittwochmittag aber vorerst aber noch nichts sagen. Er werde derzeit sogar mit Anfragen konfrontiert, wonach es einen Fluchthelfer gegeben haben soll, was er aber ebenfalls verneinen müsse. "Es gehen in diesen Tagen viele Gerüchte um."

Ermittlungen auf Mutter ausgedehnt, erste Befragung
Vor der Festnahme hatte die Staatsanwaltschaft Feldkirch am Dienstag mit der Ausdehnung der Ermittlungen auf die Kindesmutter aufhorchen lassen. "Aufgrund des Obduktionsergebnisses besteht der Verdacht, dass die Mutter ihre Fürsorge- und Obhutpflichten gröblich vernachlässigt hat", erklärte StA-Sprecher Heinz Rusch. 

Die Erhebungen würden vom Landeskriminalamt geführt, so Rusch. Am Mittwochnachmittag wurde die Frau, die zusammen mit Cains sechsjährigem Bruder in einem Krankenhaus behandelt wird, erstmals von den Ermittlern besucht. Bisher hatte die Frau wegen eines schweren Schocks nicht befragt werden können. 

Cain wurde mit Besenstiel zu Tode geprügelt
In Bezug auf die Mutter müsse geklärt werden, ob sie gegen den Paragrafen 92 des Strafgesetzbuches, "Quälen oder Vernachlässigen unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen", verstoßen hat. Demnach ist zu bestrafen, "wer seine Verpflichtung zur Fürsorge oder Obhut [...] gröblich vernachlässigt und dadurch, wenn auch nur fahrlässig, dessen Gesundheit oder dessen körperliche oder geistige Entwicklung beträchtlich schädigt". Der Strafrahmen beträgt wegen des Todes des Buben zwischen einem und zehn Jahren Haft. 

Auch neue Details aus dem gerichtsmedizinischen Gutachten wurden bekannt. Bei der Obduktion hat sich herausgestellt, dass Cain durch heftige Prügel schwerst misshandelt wurde und auch an diesen Verletzungen gestorben ist. Der Bub soll vom Tatverdächtigen am ganzen Körper massiv geschlagen worden sein, u.a. unter Zuhilfenahme eines Besenstiels, wie die "Krone" erfuhr. Auch Cains sechsjähriger Bruder wurde massiv geschlagen. Die Frau war seit etwa einem halben Jahr mit dem Serben liiert, seit etwa zwei Monaten bestand eine Lebensgemeinschaft. Zum Tatzeitpunkt befand sie sich aber nicht in der Wohnung.

Jugendwohlfahrt wehrt sich gegen Kritik
Der Leiter der Vorarlberger Jugendwohlfahrt, Werner Grabher, hat am Dienstag Vorwürfe an die Behörden erneut zurückgewiesen. "Bei uns sind keinerlei Hinweise zu der Gefährdungslage innerhalb der Familie eingegangen", wiederholte Grabher seine Aussagen vom Vortag. Die Jugendwohlfahrt wäre sogar gesetzlich dazu verpflichtet gewesen, Meldungen über etwaige Misshandlungen nachzugehen.

Bei den vergangenen Besuchen beim Kinderarzt und in der Betreuungsstätte habe es keinerlei Hinweise auf körperliche Übergriffe auf die Kinder gegeben. Berichte, wonach Nachbarn der Familie die Behörden wegen Misshandlung verständigt hätten, wies Grabher zurück: "Bei uns ist keine Meldung eingegangen." 

Landeshauptmann nimmt Behörde in Schutz
Vorarlbergs Landeshauptmann Herbert Sausgruber meinte am Dienstag, er sehe keinen unmittelbaren Handlungsbedarf hinsichtlich der Struktur der Jugendwohlfahrt, die beim Amt der Vorarlberger Landesregierung angesiedelt ist. Es werde zu diskutieren sein, ob mit organisatorischen Maßnahmen solche Fälle ausgeschlossen werden können, er sei diesbezüglich aber skeptisch, erklärte Sausgruber.

"Man kann nur Maßnahmen setzen, wenn man über einen entsprechenden Kenntnisstand verfügt", betonte der Landeshauptmann. In diesem "ungemein tragischen Fall" seien nach dem derzeitigen Informationsstand aber weder das unmittelbare Umfeld noch die Jugendwohlfahrt in der Lage gewesen, eine Gewaltgefährdung wahrzunehmen. Am Donnerstag soll im Vorarlberger Landhaus ein "Runder Tisch" zur Situation der Jugendwohlfahrt stattfinden, an dem neben den Parteien auch Vertreter aus dem Jugendwohlfahrtsbereich und der Sicherheit teilnehmen.

Auf Bundesebene forderte BZÖ-Klubobmann Peter Westenthaler eine generelle Anzeigenpflicht in Fällen von Kindesmisshandlung. Außerdem müsse das Strafausmaß bei Kindesmisshandlung auf bis zu "lebenslänglich" erweitert werden.

Schwerer Misshandlungsfall in Kärnten
Aus Kärnten wurde jetzt ein weiterer schwerer Misshandlungsfall bekannt. Ein drei Jahre alter Bub wurde bereits am Dienstag vergangener Woche in St. Veit/Glan vom Lebensgefährten der Mutter des Kindes misshandelt. Die 24-jährige Frau fand das Kind nach Angaben der Polizei nach dem Heimkommen von der Arbeit mit schweren Misshandlungsmerkmalen im Gesicht in ihrer Wohnung vor.

Der Mann, ein 26 Jahre alter deutscher Staatsbürger, war zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Flucht. Er wurde am Dienstag in Feldkirchen von der Polizei erwischt. Bei der Einvernahme war er geständig, er wurde auf freiem Fuß angezeigt. Der Dreijährige ist auf dem Weg der Besserung, seine Mutter konnte ihn bereits aus dem Spital mit nach Hause nehmen. Er wird nach Angaben der Ärzte keine bleibenden körperlichen Schäden davontragen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt