Mehr als ein dachloses Gerippe ist vom Bahnhof nicht mehr übrig. Einsam ragen die letzten vorhandenen Mauerreste in die Höhe – doch nicht mehr lange. In einem Monat soll das Gelände laut Krammer auf "Gürtelniveau" – d.h. auf eine Ebene mit der Straße – gebracht worden sein. In der Halle, wo noch vor gut zwei Monaten Bahnreisende anzutreffen waren, verrichten nun Bagger ihr Werk und bearbeiten Wände und Boden.
Die Großbaustelle birgt aufgrund ihrer Lage eine besondere Herausforderung: "Das Areal befindet sich im innerstädtischen Bereich, mit vielen Schnittstellen zu Straßen", erklärte die Projektkoordinatorin: "Der Verkehr soll durch den Bauablauf nicht gestört werden." Bis jetzt sei alles reibungslos verlaufen.
Material-Recycling spart etliche Millionen Euro
Besonders großgeschrieben wird auf der Baustelle das Recycling. Etwa 35 Prozent des Abbruchmaterials wird vor Ort zwischengelagert, aufbereitet und kommt erneut zum Einsatz. "Zum Beispiel wird der Beton gesammelt, sortenrein getrennt und als Schüttmaterial für die Bahnsteige verwendet", so Porr-Bauleiter Martin Taborsky. Rund 55 Prozent der Bahnhofsreste werden via Schiene oder per Lkw abtransportiert. Nur zehn Prozent des Abbruchmaterials wie Eternitverkleidungen sind nicht mehr zu gebrauchen und werden deponiert.
Insgesamt kostet der Abbruch am gesamten Hauptbahnhofareal 65 Millionen Euro, auf die eigentlichen Südbahnhof-Arbeiten entfallen davon 12,6 Millionen Euro. Allerdings ersparen sich die ÖBB beim Neubau durch das Recycling einige Millionen.
Abtragen zweier Bunker im Untergrund
Seit 4. Jänner wird der Südbahnhof offiziell abgerissen. Zunächst wurde das Gebäude von Einrichtungsgegenständen geräumt, dann wurden Leitungen, Fenster, Türen, Trennwände und Fassadenteile abgebaut. Ende März sollen die sogenannten Hochbauten verschwunden sein. "Danach gehen die Abbrucharbeiten im Untergrund weiter", kündigte Krammer an. In den restlichen drei Monaten bis Ende Juni werden zwei unter dem Südbahnhof befindliche Bunker mit drei Meter dicken Wänden abgetragen.
Erbaut wurde der Südbahnhof nach Plänen von Heinrich Hrdlicka zwischen 1955 und 1961, wobei Süd- und Ostbahnhof in einem Bahnhofsgebäude vereint wurden. Die aus dem Jahr 1874 stammenden, im Stil der Neorenaissance gestalteten Vorgängerbauten wurden abgetragen - obwohl sie den Krieg leidlich gut überstanden hatten. Nun weicht auch der Nachfolgebau dem neuen Hauptbahnhof, der ab Ende 2012 seinen Teilbetrieb aufnehmen wird. In der Zwischenzeit hat der Bahnhof Meidling die Agenden des Südbahnhofs übernommen, der dazu umfangreich modernisiert wurde.
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