75 Menschen infiziert

Weihnachtsmann als Superspreader im Pflegeheim

Ausland
14.12.2020 12:18

In Belgien bringt nicht das Christkind, sondern der Weihnachtsmann die Geschenke - dieses Jahr hatte ein Sinterklaas, wie er in den Niederlanden und Belgien genannt wird, aber leider beim Besuch eines Pflegeheims auch das Coronavirus in seinem Sack dabei. Die Folge: 75 Menschen, Bewohner und Mitarbeiter des Heims, wurden mittlerweile positiv auf das Virus getestet. Allerdings wurden auch Zweifel laut, ob der Weihnachtsmann tatsächlich ganz allein als Superspreader für die Infektionen verantwortlich ist.

Er wollte unter den 150 Bewohnern des Pflegeheims in Mol, einem Vorort von Antwerpen, für weihnachtliche Stimmung sorgen, soll aber stattdessen eine wahre Welle an Corona-Infektionen ausgelöst haben. Drei Tage nachdem Sinterklaas und seine als Zwarte Piet (Schwarzer Peter) verkleideten Helfer dem Heim einen Besuch abgestattet hatten, wurde der Weihnachtsmann selbst positiv auf das Coronavirus getestet. Bewohner und auch Mitarbeiter des betroffenen Pflegeheims wurden daraufhin umgehend als Verdachtsfälle eingestuft. Seither wurden 61 Pensionisten, darunter auch ein älterer Mann, der mit Sauerstoff beatmet werden muss, sowie 14 Mitarbeiter positiv getestet.

„Schwarzer Tag für das Pflegeheim“
„Es war ein sehr schwarzer Tag für das Pflegeheim“, sagte der Bürgermeister von Mol, Wim Caeyers. Es sei demnach „eine sehr große mentale Belastung“ für den Mann, der den Weihnachtsmann spielte, sowie für die Heimleitung und das Personal. Ein Sprecher des Unternehmens, von dem das Haus verwaltet wird, sagte: „Das Team ist sehr schockiert über das, was passiert ist, aber es motiviert sie auch sehr, das Virus wieder loszuwerden.“

Kritik an der Organisation kam jedoch vom Bürgermeister, der das Vorgehen des Pflegeheims als „völlig verantwortungslos“ bezeichnete. Denn anders als von der Heimleitung nach Bekanntwerden der Infektionen in der Einrichtung zunächst behauptet, seien die Sicherheits- und Hygienemaßnahmen nicht konsequent eingehalten worden. So hätten sich Angehörige von Bewohnern mit Fotos und Videoaufnahmen bei der Stadtverwaltung gemeldet. Darauf zu sehen sei, dass teilweise der Abstand bei der Weihnachtsfeier nicht eingehalten worden sei. Teils hätten betagte Bewohner, die als Risikopatienten gelten, während des Besuchs auch keine Schutzmaske getragen.

Virologe zweifelt an Weihnachtsmann als Superspreader
Dennoch gibt es erste Stimmen, die Zweifel an der Superspreader-Geschichte haben. So etwa einer der Top-Virologen Belgiens, Marc Van Ranst von der KU Leuven, der nicht überzeugt davon ist, dass der Weihnachtsmann ganz allein so viele Infektionen verursacht haben könnte. „Selbst für einen Superspreader sind dies zu viele Infektionen gleichzeitig“, so Van Ranst. Er glaubt, dass eine schlechte Belüftung viel wahrscheinlicher die Ursache für die hohe Ansteckungsrate ist - und dass die örtlichen Gesundheitsbehörden CO2-Messungen durchführen sollten.

Dennoch merkte auch der Experte an, dass ein Besuch des Weihnachtsmanns während der Pandemie eine „dumme Idee“ sei ...

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