Debatte in den USA
Bischöfe gegen Impfstoffe aus abgetriebenen Föten
Katholiken in den USA sollen nach dem Ratschlag ihrer Bischöfe den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson meiden, weil dieser mit Abtreibungszellen produziert werde. Den Impfstoffen von Pfizer oder Moderna sei der Vorzug zu geben, heißt es in einer Erklärung der katholischen Bischöfe. Schon im Dezember hatten sie sich ähnlich zum AstraZeneca-Impfstoff geäußert.
Zwar würden auch Pfizer und Moderna die von abgetriebenen Föten entnommenen Zellen einsetzen, aber nur, um die Wirksamkeit der Vakzine zu testen, argumentieren die Bischöfe laut „New York Times“. Sie gehen aber nicht so weit, dass sie Impfungen mit dem am Montag von den US-Behörden zugelassenen Johnson & Johnson-Impfstoff grundsätzlich untersagen.
Vielmehr bestätigen sie das Diktum des Vatikan, wonach es „moralisch akzeptabel“ sei, Corona-Impfungen zu empfangen. Schließlich sei die Impfung „ein Akt der Nächstenliebe, der dem Gemeinwohl dient“. Papst Franziskus hat bereits die zweite Dosis Impfstoff injiziert bekommen. Er betonte, dass es eine „moralische Pflicht“ sei, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.
„Unsterbliche“ Zellen
Seit den 1960er-Jahren werden laut dem Magazin „Science“ menschliche Zellkulturlinien bei der Erforschung von Vakzinen verwendet. Sie stammen von wenigen vor Jahrzenten abgetriebenen Föten. Die Zellen werden einmalig entnommen und danach kontinuerlich vermehrt und eingefroren - sie sind gewissermaßen „unsterblich“. Für die Produktion von Impfstoff braucht es also keine zusätzlichen Zellen von Föten.
Aus dem Grund weist die konservative US-Denkfabrik Heritage Foundation laut APA in einer Expertise darauf hin, dass Abtreibungsgegner keine moralischen Bedenken gegenüber den Corona-Impfstoffen haben müssen.
Derartig gewonnene Zellen werden etwa für Impfstoffe gegen Röteln, Windpocken oder Hepatitis A verwendet. Die römisch-katholische Kirche wie auch andere Religionsgemeinschaften sehen die Produktion solcher Impfstoffe in Hinblick auf ihren Nutzen offiziell als gerechtfertigt an. So lobte etwa der spätere Papst Benedikt XVI., Joseph Ratzinger, 2003 den Rötelnimpfstoff, da er die Kindersterblichkeit massiv senke.
Debatte schwelt seit August 2020
Zellen abgetriebener Föten wurden auch bei der Produktion des in der Europäischen Union zugelassenen Impfstoffs von AstraZeneca verwendet. Im Dezember hatten zwei für Doktrin und Lebensschutz zuständigen US-Bischöfe erklärt, dass eine Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin „vermieden“ werden sollte. Nur wenn man keine andere Wahl habe, „ist es zulässig, den AstraZeneca-Impfstoff anzunehmen“. Zuvor hatten im August australische Kirchenführer aus dem gleichen Grund vor dem von der Oxford Universität mitentwickelten Impfstoff gewarnt.
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