Schlappe für EADS

Pentagon schließt 35-Mrd.-Dollar-Deal mit Boeing

Ausland
25.02.2011 07:16
Der europäische Luftfahrtkonzern EADS hat seinen jahrelangen Bieterwettstreit mit Boeing um einen Milliardenauftrag der US-Luftwaffe verloren. Das Pentagon erteilte dem US-Konzern am Donnerstag den Zuschlag für den Auftrag zur Modernisierung seiner Tankflugzeugflotte. Insgesamt soll der Deal den Bau von 179 Flugzeugen für rund 35 Milliarden Dollar umfassen. Der Stabschef der US-Luftwaffe, Norton Schwartz (2. v. li.), sagte bei der Pressekonferenz nach der Entscheidung, der Bau und die Lieferung der Flugzeuge seien "lange überfällig".

US-Vizeverteidigungsminister William Lynn (2. v. re.) erklärte, Boeing habe sich nach eingehender Prüfung der Angebote als "klarer Gewinner" erwiesen. EADS habe nun das Recht, binnen zehn Tagen Einspruch gegen die Entscheidung einzulegen. "Wir sind aber überzeugt, dass die Entscheidung in einem klaren und transparenten Verfahren gefallen ist", sagte Lynn.

Nach Pentagon-Angaben soll Boeing in einer ersten Tranche bis 2017 insgesamt 18 Tankflugzeuge für 3,5 Milliarden Dollar liefern. Die derzeitige US-Flotte an Tankflugzeugen stammt zum Teil noch aus den 1950er-Jahren. Boeing und EADS nutzten für ihre Angebote bestehende Passagierflugzeuge, die für die Bedürfnisse der US-Luftwaffe umgerüstet werden sollen. Boeing will dafür sein Langstreckenflugzeug 767 nutzen, EADS hielt mit seinem Airbus A330 dagegen.

Erst Boeing, dann EADS, dann wieder Boeing
Die Ausschreibung war bereits der dritte Versuch des Pentagon, neue Tankflugzeuge für die US-Streitkräfte zu bestellen. Eine erste Ausschreibung hatte 2003 Boeing gewonnen. Allerdings widerrief das Pentagon die Vergabe, nachdem bekannt geworden war, dass eine Pentagon-Mitarbeiterin Boeing widerrechtlich mit Informationen versorgt hatte. In einem zweiten Verfahren setzte sich EADS im Februar 2008 durch. Boeing focht das Vergabeverfahren daraufhin vor dem Rechnungshof des US-Kongresses erfolgreich an. Das Pentagon schrieb den Auftrag schließlich 2009 komplett neu aus.

Der Bieterwettstreit war immer wieder von nationalen Prestige-Erwägungen überlagert. Boeing unterstrich, dass es im Gegensatz zum europäischen EADS-Konzern ein "rein amerikanisches" Flugzeug liefern könne, das 50.000 Arbeitsplätze in mehr als 40 US-Bundesstaaten schaffe. EADS hatte diese Darstellung zurückgewiesen und betonte, 48.000 Jobs in den USA schaffen zu wollen. Die Maschinen sollten im US-Bundesstaat Alabama gefertigt werden. Unterstützt wurde EADS von US-Zulieferern wie Alcoa, General Electric und Honeywell.

Intensive Lobbybemühungen von Abgeordneten
Das Vergabeverfahren war von intensiven Lobbybemühungen von Kongressabgeordneten begleitet, die auf die Schaffung von Arbeitsplätzen in ihren Wahlkreisen drängten. Die demokratische Senatorin Patty Murray, in deren Heimatstaat Washington ein Großteil der Maschinen gefertigt werden soll, begrüßte den Zuschlag für Boeing als "Sieg für die amerikanischen Arbeiter und die amerikanische Luftfahrtindustrie".

EADS-Chef "enttäuscht und erstaunt"
EADS hat sich über die Entscheidung der USA enttäuscht gezeigt. "Wir sind enttäuscht und erstaunt", sagte EADS-Chef Louis Gallois am Freitag. "Wir fragen uns, weshalb wir verloren haben." Soweit er verstanden habe, sei es für die US-Luftwaffe "eine Preisfrage" gewesen. Genaueres solle am Montag bei einer "Manöverkritik" besprochen werden, "dann sehen wir, aus welchen Gründen wir verloren haben und unter welchen Umständen". Vorher wolle er nichts zu dem Vergabeverfahren der US-Regierung sagen, erklärte der französische Konzernchef.

Die Absage aus den Vereinigten Staaten ändere mittelfristig und auf lange Sicht nichts "an der wirtschaftlichen Umlaufbahn" des europäischen Unternehmens, an dem der deutsche Autobauer Daimler, die französische Gruppe Sogeade sowie die spanische Staatsholding SEPI einen Stimmrechtsanteil von über fünfzig Prozent halten. "Ich hätte lieber gewonnen", sagte Gallois. Aber EADS werde im Bereich der Verteidigung und Sicherheit "andere Möglichkeiten" finden, um sich auf dem amerikanischen Markt zu entwickeln. "Wir haben Ideen in diesem Bereich, die ich hier nicht ausführen kann", sagte der Firmenchef.

Berlin hegt Zweifel an fairem Verfahren
Die deutsche Regierung wiederum hat Zweifel geäußert. "Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, weil nicht ganz klar ist, ob es tatsächlich bei der dritten Ausschreibung ein faires Verfahren gegeben hat", sagte der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Staatssekretär Peter Hintze, am Freitag. Natürlich sei es Sache der US-Regierung, an wen sie einen so großen Rüstungsauftrag vergibt. "Auf der anderen Seite war ein faires Wettbewerbsverfahren angekündigt", sagte Hintze. "Und ich hoffe, dass die gründliche Analyse dies auch ergibt." Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS habe ein ausgezeichnetes Flugzeug für diesen Auftrag angeboten, sagte er weiter. Das werde dadurch belegt, dass es ja im zweiten Bieterverfahren, dessen Ergebnis später revidiert wurde, eine Entscheidung für EADS gegeben hatte.

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