Anbieter im Visier

Online-Casinos: Falsches Spiel mit dem großen Geld

Österreich
07.01.2022 05:55

Während den Betreibern dubioser Spielhöllen das Handwerk gelegt wird, machen Online-Casinos fette Gewinne. Und das ganz ungeniert illegal.

Ein Cowboy zieht seinen Colt und schießt, der Automat klingelt - Daniel (Name geändert) ist aufgeregt. Immerhin: Zwei Euro Gewinn. Dass er an jenem Tag (schon wieder) 50 Euro eingezahlt hat, ignoriert er. Daniel ist spielsüchtig, und nicht alleine damit. Wie hoch die Zahl jener ist, die ihr Erspartes in Casinos und am Computer verzocken, ist unklar. Doch es sind viele. Einige davon werden vor Gericht von Julia Eckhart vertreten. Die Juristin beschäftigt sich seit Jahren damit, Mandanten zu helfen, verlorene Einsätze wieder zurückzubekommen.

Was die wenigsten wissen: Bis auf ein Onlineportal der Österreichischen Lotterien wäre sämtliches Glücksspiel im Netz eigentlich verboten. Österreich hat, trotz der Dienstleistungsfreiheit in der EU, ein Monopol bei Glücksspielen eingerichtet. Und das liegt in jenem Fall bei den Lotterien. Bis auf einige wenige weitere Konzessionen dürften damit auch nur diese online Glücksspiele anbieten.

(Bild: P. Huber)

Und doch: Mehr als 2000 Anbieter aus dem Ausland tummeln sich auf dem Markt - und scheffeln unerlaubt pro Jahr Millionen. Was Eckhart besonders stört, sind die mangelnden Kontrollen. Genau wie bei den in Lokalen aufgestellten Automaten müssten die Behörden auch dem illegalen Online-Glücksspiel ein Ende setzen und dagegen vorgehen. So dürfte der Inhaber nicht übermäßig Werbung betreiben, der illegale Bereich an sich nicht zu groß werden. Stattdessen verlieren Österreicher jedoch Hunderte Millionen pro Jahr an die „schwarzen Schafe“.

Klage gegen den Staat Österreich steht bevor
Immerhin: Seit 2017 sind die Höchstgerichte - entgegen der Ansicht ausländischer Anbieter - der Meinung, dass das Monopol so passt, wie es ist. Spieler, die Geld verlieren, müssen jenes wieder bekommen. Doch das kann dauern. Nun will ein Mandant von Eckhart noch im Jänner Österreich auf Amtshaftung verklagen. Bei drei Anbietern hat der Kläger 15.000 Euro verloren. Den Schaden habe er, so die Argumentation, nur erlitten, weil die Behörden nichts unternehmen. Hätte er keine Möglichkeit, dort zu zocken, hätte er auch kein Geld verloren. Wie das Gericht entscheiden wird, bleibt abzuwarten. Eckhart möchte damit vor allem eines erreichen: „Dass der Staat sieht, dass etwas getan werden muss. Zuzuschauen, wie Millionenverluste entstehen, und nichts zu tun, ist heuchlerisch.“

Illegale Automaten im Visier der Finanzpolizei (Bild: BMF)
Illegale Automaten im Visier der Finanzpolizei

Christoph Holubar vom Verein Spielerhilfe unterstützt Spielwütige bei ihrem Ausstieg aus der Suchtspirale. Im Interview mit der „Krone“ spricht er über "alle möglichen Psycho-Tricks der Casino-Betreiber:

„Krone“: Herr Holubar, wie wird man eigentlich spielsüchtig?
Christioph Holubar: Spielsucht entwickelt sich schleichend. Man geht in ein Casino, gewinnt dort. Man denkt, das war einfach, das kann ich wiederholen. Eine Falle, von Besuch zu Besuch wird man süchtiger. Im Verlauf der Sucht steigen die Einsätze, man spielt über seine Verhältnisse. Das ist wie beim Bier: Nicht jeder übertreibt, aber manche sind anfällig.

Welche Auslöser hat das?
Es gibt viele, die sich alle zwei Monate schick anziehen, um einen schönen Abend im Casino zu haben. Das ist ein leichtes Abhängigkeitsverhältnis. Es braucht nur etwas Tragisches zu passieren, und man rutscht tiefer hinein.

Haben Sie ein Beispiel?
Ein Ehepaar war ab und zu im Casino, in Anzug und Kleid, einfach, um Spaß zu haben. Dann starb der Mann, und die Dame trauerte. Als sie alleine ins Casino ging, ging es ihr besser. Sie verknüpfte das Spielen mit ihren Erinnerungen an den Mann. Sie rutschte in eine extreme Sucht ab.

Christoph Holubar geht von einer sehr hohen Dunkelziffer bei den Spielsüchtigen im Land aus. (Bild: zVg)
Christoph Holubar geht von einer sehr hohen Dunkelziffer bei den Spielsüchtigen im Land aus.

Wie viele Menschen sind spielsüchtig?
In einer Studie wurden rund 60.000 problematische Spieler vermutet. Man muss aber aufpassen, denn Spielsüchtige gibt es viel mehr, knapp die Hälfte der Österreicher spielt auch innerhalb eines Jahres bei diversen Glücksspielen mit.

Wie schwierig fällt Abhängigen der Absprung?
Das Glückszentrum im Kopf wird befeuert. Betreiber nutzen alle Psycho-Tricks. Bei Onlineanbietern ist man registriert, man bekommt täglich Mails. Verliert man in Serie, kommt eine E-Mail mit dem Betreff „Heute ist deine Pechsträhne vorbei“.

Welche Hilfe bieten Sie Spielsüchtigen an?
Wir vermitteln an Spezialisten wie Therapeuten, Rechtsvertretung etc. Und wir wollen möglichst viele Menschen mit unserer Botschaft erreichen, um ihnen zu helfen, dass sie nicht hineinstürzen.

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