Wer heute ein Smartphone der Oberklasse sein Eigen nennen will, muss tief ins Börsel greifen: Mehr als 800 Euro sind mittlerweile üblich, die Top-Modelle mit viel Speicher spielen im Preisbereich von 1400 Euro und mehr. Da mutet Samsungs Nachzügler aus der Galaxy-S21-Familie, die neue „Fan Edition“, mit einem Straßenpreis von 600 Euro direkt günstig an. Aber erhält man hier auch wirklich Oberklassetechnik? Wir haben es getestet.
Das Galaxy S21 FE hat Samsung, fast ein Jahr nach den restlichen Familienmitgliedern und kurz vor der Enthüllung der Nachfolgegeneration, im Jänner auf den Markt gebracht. Wie der Vorgänger verspricht auch die neue „Fan Edition“, sich auf das Wesentliche zu besinnen und eine mit den übrigen Familienmitgliedern vergleichbare Ausstattung zum „Sparpreis“ zu bieten.
Vorgänger wurde Verkaufsschlager
Beim Vorgänger ging das Rezept auf: Das S20 FE wurde ein Verkaufsschlager. Mit einem empfohlenen Preis von 750 Euro - im Handel sichtet man es auch schon für 600 Euro - ist auch das Galaxy S21 FE günstiger als die meisten anderen Galaxy-S21-Versionen. Vor allem im Vergleich zum Ultra-Modell um 1000 Euro und mehr ist der Preis direkt verführerisch, das „normale“ S21 - im Vorjahr noch im 800-Euro-Bereich daheim - bekommt man hingegen auch schon um etwas mehr als 600 Euro.
Exzellentes OLED-Display
Die Technik, die man beim Galaxy S21 FE bekommt, kann sich trotz „Sparpreis“ sehen lassen. Es verfügt - etwas größer als beim "normalen S21 - über ein 6,4 Zoll großes OLED-Display mit 2400 mal 1080 Pixeln Auflösung und 120-Hertz-Technik. Im Test hinterließ es einen exzellenten Eindruck: Tolle Kontraste, leuchtende Farben, eine hohe maximale Helligkeit und mehr als genug Schärfe - ein Schaustück für Samsungs Display-Dominanz.
Ein Angebot an Qualcomm-Fans
Beim Prozessor setzt man auf Qualcomms Snapdragon 888. Damit könnte die „Fan Edition“ - wahlweise mit sechs Gigabyte RAM und 128 Gigabyte Flash-Speicher oder acht bzw. 256 Gigabyte - ein Angebot für User sein, die Samsungs eigenen Exynos-Chips in den übrigen S21-Versionen nichts abgewinnen konnten. Schnell genug für den Smartphone-Alltag sind aber ohnedies beide Prozessoren, der RAM ist ebenfalls völlig ausreichend.
Flexible Dreifach-Kamera an Bord
Die Dreifach-Kamera ähnelt - abgesehen von der weniger hochauflösenden Teleoptik - jener des bereits länger erhältlichen S21 bzw. S21-Plus-Modells und umfasst eine lichtstarke 12-Megapixel-Hauptkamera mit optischer Bildstabilisierung, die von einer 12-Megapixel-Weitwinkel- und einer 8-Megapixel-Zoomkamera mit dreifacher Vergrößerung unterstützt wird.
Im Test macht das Kamera-System einen guten Eindruck. Die Hauptkamera stellt schnell scharf und liefert bei gutem Licht zuverlässig sehr gute Fotos. Bei Dämmerlicht oder Kunstlicht gelingen immer noch ansehnliche Bilder. Die zusätzlichen Kameras reichen bei der Bildqualität nicht ganz an die Hauptkamera heran, liefern in gewissen Szenarien aber ebenfalls gute Ergebnisse. Die Frontkamera bietet 32 Megapixel - mehr als genug für Selfies.
Kein Netzteil, kein microSD, keine Klinke
Der Akku des Galaxy S21 FE ist 4500 mAh groß, erlaubt unserer Erfahrung nach bei normaler Nutzung zwei Tage Betrieb, und kann dank Qi-Standard kabellos geladen werden. Einen microSD-Kartenslot gibt es nicht, ein Netzteil liegt nicht in der Packung und auch eine Audioklinke für kabelgebundene Kopfhörer fehlt. Dafür ist das Galaxy S21 FE wie seine schon länger erhältlichen Geschwister wasser- und staubfest nach IP68-Standard.
Besseres Handling als Plus- und Ultra-Modell
Interessanterweise sorgen kleinere Designänderungen und eine „billigere“ Materialwahl für ein besseres Handling als bei den Galaxy-S21-Modellen mit Plus- oder Ultra-Namenszusatz. Weil die Kanten nicht so stark abgerundet wurden und Kunststoff nicht so rutschig ist wie Glas, liegt das Galaxy S21 FE sicherer und bequemer in der Hand. Auch die im Vergleich zu den teuren Modellen etwas geringere Größe ermöglicht eine angenehme Nutzung. Eine Hülle ist dennoch ratsam: Die Kamera steht ein wenig aus dem Gehäuse hervor, nimmt bei Stürzen also schnell Schaden.
Moderne Funkausstattung, aufgeräumte Software
Bei der Funkausstattung ist das Galaxy S21 FE auf der Höhe der Zeit: Es gibt 5G-Mobilfunk, schnelles Wi-Fi 6, Bluetooth 5.2, NFC sowie die gängigen Navigationsdienste. Geladen wird über verbreitetes USB-C, der Fingerscanner im Display arbeitet zuverlässig. Stereo-Speaker sorgen für guten Klang, ein Dual-SIM-Feature freut Menschen mit mehreren Telefonnummern.
Samsungs Android-12-Interpretation ist modern, aufgeräumt und stellt Android-Kenner vor keine großen Herausforderungen. Lobenswert sind die vielen Einstellmöglichkeiten: Beim Standard-Suchanbieter kann man beispielsweise sogar kleine europäische Google-Rivalen wie Qwant wählen.
Neben den gängigen Google-Anwendungen und vielen Samsung-eigenen Apps ist auch etwas Bloatware vorinstalliert - etwa diverse Microsoft-Tools, vom Käufer vielleicht gar nicht genutzte Streamingdienste, die eine oder andere Samsung-Werbeanwendung. Unerwünschte Apps lassen sich aber löschen. Bei Updates ist Samsung unserer Erfahrung nach zuverlässig.
Fazit: Mit rund 600 Euro ist das Galaxy S21 FE zu ähnlichen Preisen zu haben wie das „normale“ S21. Diesem hat es mehr Bildschirmdiagonale voraus, manch ein Nutzer könnte auch im Qualcomm-Chip einen Mehrwert sehen. Bei der Kamera - primär beim Zoomen - hat das alte Modell die Nase vorn. Insgesamt gelingt es so nur bedingt, eine günstigere Alternative zu schaffen: Dem „normalen“ Galaxy S21 ist die „Fan Edition“ technisch und preislich zu ähnlich, im Vergleich mit ähnlich ausgestatteten chinesischen Preisbrechern ist es immer noch um 100 bis 200 Euro teurer.
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