Explodierende Rohstoffpreise, Klimadebatte, Energiekrise - Industriebetriebe stehen derzeit unter enormem Druck. Die „Krone“ besuchte die Tiroler Rohre GmbH in Hall. Ein typischer Industriebetrieb mit hohem Energiebedarf. Chef Max Kloger sprach dabei über Millionen-Investitionen für Erdgas und Fernwärme aus dem Hochofen.
Die Tiroler Rohre GmbH (TRM) in Hall. Ein Parade-Industriebetrieb mit 220 Mitarbeitern. Ein Unternehmen mit langer Tradition und hohem Energiebedarf. Hier wird in Mega- und Gigawatt gerechnet. Aus Altmetall entstehen Rohr- und Pfahlsysteme, die in die ganze Welt exportiert werden. Und jetzt die Energiekrise, die Sorge vor dem Gaslieferstopp, explodierende Preise. Was bedeutet das für einen Tiroler Traditionsbetrieb dieser Größenordnung? Die „Tiroler Krone“ hat das Werk besucht und mit Geschäftsführer Max Kloger über existenzbedrohliche Entwicklungen und den Weg aus der Energie-Abhängigkeit gesprochen.
„Krone“: Herr Kloger, auch in Ihrem Unternehmen stehen Hochöfen. Sie sind Symbol für den enormen Energiebedarf in der Industrie. Wie hoch ist dieser in Ihrem Fall?
Max Kloger: Ja, wir haben einen hohen Energiebedarf, brauchen Strom, Gas und Koks zum Schmelzen des Altmetalls. Vor der Teuerung haben wir je eine Million Euro im Jahr für Strom und Gas aufgewendet. Für Letzteres ist der Preis mittlerweile dreimal so hoch, bald vielleicht sechsmal, wenn man Prognosen glaubt. Das muss man als Betrieb erst einmal stemmen in so kurzer Zeit.
Dazu kommen die stark steigenden Rohstoffpreise.
In unserem Fall ist es der Schrottpreis. Wir arbeiten zu hundert Prozent mit Alteisen. Im Vorjahr lag der Schrottpreis bei 300 Euro pro Tonne, Anfang dieses Jahres bei 600 Euro und jetzt sind es noch einmal 200 Euro mehr. Bei einem Bedarf von 40.000 Tonnen kann sich jeder den Mehraufwand leicht ausrechnen. Was die ganze Sache zusätzlich erschwert: die Lieferanten geben faktisch kaum noch Preisgarantien ab.
Energieeffizienz ist für die Wirtschaft nicht mehr nur eine ökologische Frage, sondern eine ökonomische Notwendigkeit.
Max Kloger
Geht sich das noch aus oder müssen Sie bald die Produktion zurückfahren?
Es gibt bereits Betriebe, die Teile der Produktion einstellen mussten. Und das, obwohl die Auftragsbücher voll sind. Bei uns geht es sich aus, weil wir schon seit Jahren in Energieeffizienz investieren. Ohne das stünden wir heute wohl wie so manch anderer Betrieb vor einer existenzbedrohlichen Situation. Energieeffizienz ist für die Wirtschaft nicht mehr nur eine ökologische Frage, sondern eine ökonomische Notwendigkeit.
Wie konnten die Tiroler Rohre unabhängiger von Preisturbulenzen auf dem Energiemarkt werden?
Indem wir nicht nur Energie verbrauchen, sondern auch erzeugen. Vor sechs Jahren haben wir die damals größte Photovoltaikanlage Westösterreichs auf unseren Firmengebäuden installiert. 9000 Quadratmeter, mit denen wir knapp 300 Haushalte in der Region versorgen. Zudem nutzen wir die Abwärme in der Gießerei. Das flüssige Eisen kommt mit 1500 Grad aus dem Ofen – das ist viel Energie. Die Abwärme speisen wir ins regionale Fernwärmenetz ein. Damit werden 650 Haushalte in der Umgebung versorgt und zusätzlich jährlich insgesamt 3100 Tonnen CO₂ eingespart.
Die Energiepreissteigerungen in Europa sind nicht allein durch die Krise begründet, sondern auch durch den noch zu geringen Ausbau alternativer Energiegewinnung.
Max Kloger
Ist es realistisch, dass Tirols Wirtschaft gänzlich von Gas unabhängig wird?
Es ist möglich, aber der Prozess dauert. Im Fall unseres Unternehmens ist es mittlerweile realistisch. In Tirol haben wir mit der Wasserkraft eine exzellente Alternative. Beim Wasserstoff sehe ich viel Potenzial, aber noch zu wenig Bewegung. Die Energiepreissteigerungen in Europa sind nicht allein durch die Krise begründet, sondern auch durch den noch zu geringen Ausbau alternativer Energiegewinnung. Diese Verknappung ruft Spekulanten auf den Plan.
Was braucht es konkret im Bundesland?
Auch ich bin für schnellere Verfahren bei neuen Wasserkraftwerken. Mit ihnen kommen wir der Energieunabhängigkeit näher. Aber der vollständige Umstieg auf Strom wird nicht die Lösung sein. Wir müssen auch über weitere Möglichkeiten diskutieren: Tirol liefert zum Beispiel seinen Müll in andere Bundesländer und lässt diese daraus Energie gewinnen. Warum? Entscheidend ist auch, dass wir das Energiesparen zu einem zentralen Ziel erklären.
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