Überdosis?

Tod in Gefängniszelle: Warum musste Lukas sterben?

Steiermark
31.05.2022 06:32

Der 23-jährige Steirer Lukas wurde am Samstag in Graz tot in seiner Zelle in der Justizanstalt Jakomini aufgefunden. Ein Mitinsasse liegt im Krankenhaus im künstlichen Tiefschlaf. Am Freitag war doch noch alles in Ordnung. Seine Mutter und eine enge Freundin sind verzweifelt. Und sie klagen an: Wie konnte das passieren?

„Er war so ein lieber, herzensguter Mensch, der für seine Familie und Freunde alles getan hat.“ - Edith L. ist sichtlich erschüttert. Lukas, ihr bester Freund seit vielen Jahren, ist tot. Er starb in seiner Zelle in der Justizanstalt Graz-Jakomini - vermutlich an einer Überdosis. „Wie kann das sein?“, fragt sich die junge Frau zu Recht. Auch die Mutter des 23-Jährigen steht schwer unter Schock. „Sie weint, schreit, ist verzweifelt. Am Freitag hat sie noch mit Lukas geredet, am Samstag kam dann der Anruf, dass er tot ist.“ Sein Mitinsasse liegt im Koma.

Lukas war in U-Haft, „weil er sich was Blödes geleistet hat“, sagt Edith. „Er hat etwas Illegales im Internet bestellt, das wurde vom Zoll abgefangen.“ Sein erstes Mal. Er ist unbescholten, war noch nie im Gefängnis.

Zitat Icon

Wir sollen resozialisieren und erziehen. Haben aber so viele andere Aufgaben zu bewältigen, dass wir dazu nicht kommen.

Mario Raudner, Justizwachegewerkschaft

Was ist also nachts in der Zelle geschehen?
„Lukas hat erzählt, dass es leicht war, an illegale Substanzen zu kommen. Sie werden beim Hofgang einfach über die Mauer geworfen und dann verkauft.“ Ein Umstand, den Mario Raudner von der Justizwachegewerkschaft gut kennt: „Wir haben gegenüber der Leitung sehr oft kritisiert, dass der Spaziergang an der Außenmauer problematisch ist.“ 

Der Drogenkonsum stelle ohnehin ein massives Problem dar. „Durch die vielen anderen Aufgaben, die wir als Justizwache inzwischen haben, sind wir schon lange nicht mehr in der Lage, unserer Hauptaufgabe, der Erziehung und Resozialisierung, gerecht zu werden“, bedauert Raudner, dem der Tod des jungen Mannes so wie seinen Kollegen natürlich nahegeht. Auch Personalmangel dürfte ein ständig drohendes Damoklesschwert sein.

„Lückenlose Kontrolle nicht möglich“
„Drogenschmuggel lässt sich leider nie ganz unterbinden“, sagt Oberstleutnant Manfred Ulrich, Sprecher der Justizanstalt. Dass es sich um eine Überdosis Drogen handelt, könne er aber nicht bestätigen: „Wir müssen erst das Obduktionsergebnis abwarten.“ Er hat aber volles Verständnis für die Emotionen der Hinterbliebenen. „Es ist nie leicht, wenn ein Kind quasi in der Fremde weg von daheim stirbt.“ Aber man könne nicht lückenlos kontrollieren. „Und alles so dichtzumachen, dass nichts rein- oder rausgeht, wäre unmenschlich und würde Gewalt fördern.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Steiermark
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt