„Kolonialer Diebstahl“

Südafrikaner fordern britische Kronjuwelen zurück

Ausland
20.09.2022 08:36

Der Tod der britischen Monarchin Elizabeth II. hat eine Debatte um die Kronjuwelen des britischen Königshauses entfacht. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in Südafrika der größte jemals gefundene Diamant entdeckt und schließlich der Royal Family geschenkt. Nun fordern Politiker und Aktivisten, dass die Edelsteine wieder zurückgegeben werden.

Stolze 3106 Karat oder 621,35 Gramm hatte der Cullinan-Diamant in seiner natürlichen Form. Das entspricht etwa der Größe eines menschlichen Herzens. Nachdem er in den Niederlanden gespalten wurde, wurden mehrere Teile in die britischen Kronjuwelen verarbeitet. Ein großes Stück (der sogenannte „Stern von Afrika“) prangt seitdem in einem königlichen Zepter, ein weiterer Teil ist in einer der Kronen des britischen Königshauses verarbeitet. Beide Schmuckstücke lagen beim großen Staatsbegräbnis auf dem Sarg der verstorbenen britischen Königin.

Nach dem spektakulären Fund in der Cullinan-Mine 1905 wurde der Diamant von der südafrikanischen Kolonialverwaltung damaligen britischen Monarchen König Edward VII. geschenkt. Doch nun werden Rufe laut, die eine Rückgabe der Steine fordern: „Der Cullinan-Diamant muss mit sofortiger Wirkung an Südafrika zurückgegeben werden“, erklärte der Aktivist Thanduxolo Sabelo. „Die Bodenschätze unseres Landes und anderer Länder kommen weiterhin Großbritannien auf Kosten unseres Volkes zugute.“

Politikerin fordert Rückgabe „kolonialer Diebstähle“
Auch der südafrikanische Abgeordnete Vuyolwethu Zungula fordert Reparationen und die Rückgabe „des gesamten von Großbritannien gestohlenen Goldes und der Diamanten“. Die Oppositionspolitikerin Leigh-Ann Mathys spricht von „kolonialen Diebstählen, zu denen auch der Diebstahl des ,Großen Sterns von Afrika‘ gehört“. In einer Petition sprachen sich 6000 Unterzeichner dafür aus, dass die Teile des Cullinan-Diamanten wieder an Südafrika zurückgegeben werden.

Professor: „Der ,Große Stern‘ ist ein Blutdiamant“
Das Edelsteinschleifer-Unternehmen Royal Asscher, erklärte, dass der Anspruch des Königshauses legitim sei. Es habe sich um ein Geburtstagsgeschenk an den damaligen König gehandelt. Das sieht ein Professor für afrikanische Politik an der University of South Africa, Everristo Benyera, anders. Gegenüber CNN erklärte er, dass „koloniale Transaktionen illegitim und unmoralisch sind“. „Der ,Große Stern‘ ist ein Blutdiamant. Das private Bergbauunternehmen, die Transvaal-Regierung und das britische Empire waren Teil eines größeren Kolonialnetzwerks“, so Benyera.

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