In Österreich ist der Gasverbrauch im Herbst im Vergleich zu den drei Jahren davor um etwa zehn Prozent zurückgegangen. Erfreulich daran ist, dass dies nicht nur am warmen Wetter liegt, sondern dass die Einsparungen durch Industrie und Haushalte laut Johannes Schmidt von der BOKU Wien sogar darüber hinausgehen. Gleichzeitig sei aber die Stromproduktion aus Gas so hoch wie in den letzten drei Jahren nicht. Kritik kam am Dienstag auch Volkswirt Philipp Schmidt-Dengler, der im Ö1-„Morgenjournal“ feststellte, dass es schwierig ist, Informationen zum Energieverbrauch der Haushalte zu bekommen. „Da muss mehr gemacht werden“, so Schmidt-Dengler. Auch die Strompreisbremse der Regierung stößt bei den Experten auf wenig Gegenliebe.
Laut Johannes Schmidt „haben wir über die Witterung hinaus Einsparungen beobachtet, von Haushalten und von der Industrie. Wir sind grundsätzlich für den Winter in einer guten Ausgangslage.“ Die Speicher seien sehr gut gefüllt, so gut wie fast nie zuvor. „Seit Samstag leeren sich die Gasspeicher in Europa und damit relativ spät im Jahr. Wir haben Glück gehabt mit der Witterung, es war warm.“ Auch über die Witterung hinaus habe man aber Einsparungen beim Gasverbrauch beobachtet.
Weniger Verbrauch im Herbst
Hier sei die Datenlage in Deutschland besser, dort werden Einsparungserfolge von zehn bis 20 Prozent verzeichnet. Das Modell sei in Österreich nachgebaut worden, hierzulande müssten aber einige Zahlen geschätzt werden, etwa weil nicht ganz klar sei, wer welches Gas verbrauche. „Da sehen wir, dass wir witterungsbereinigt im September und Oktober durchaus zehn bis 15 Prozent eingespart haben“, im November sei die Einsparung aber auf fünf Prozent zurückgegangen.
Viele Einsparungen kommen aus der Industrie
„Wir gehen davon aus, dass viele dieser Einsparungen aus der Industrie kommen“, so Schmidt. Gleichzeitig seien die Einsparungserfolge im November auch deshalb zurückgegangen, weil der Gaspreis am Spotmarkt gesunken sei und jene Industrien, die dort kaufen, ihren Verbrauch entsprechend wieder erhöht hätten. Auch im Juli und August sei bereits Gas eingespart worden, hier vor allem von der Industrie. Im Gesamtjahr sei in Österreich heuer bisher um fünf Prozent weniger Gas verbraucht worden als in den Vergleichszeiträumen von 2015 bis 2021.
Stromproduktion aus Gas relativ hoch
Der Gasverbrauch in der Stromproduktion sei heuer allerdings höher als in den vergangen drei Jahren. „Wir haben eine Knappheit im Stromsektor“, sagte Schmidt. Der Grund dafür sei, dass wenig Niederschlag und niedrige Wasserstände die Stromproduktion aus Wasserkraft gedämpft hätten.
Schmidt-Dengler: „Da muss mehr gemacht werden“
Die vor zwei Monaten gestartete Energiesparkampagne der Regierung, die den Energieverbrauch der Haushalte um elf Prozent senken soll, sei nur eine Empfehlung zum weniger Heizen, kürzer Duschen oder den Geschirrspüler im Sparmodus laufen zu lassen. Ob diese Kampagne Wirkung zeigt, sei noch unklar. Es fehle laut Philipp Schmidt-Dengler vom Institut für Volkswirtschaftslehre an der Uni Wien auch an aktuellen Informationen, wie viel Energie die Haushalte verbrauchen. „Da muss mehr gemacht werden, Haushalte wissen nicht, wie viel sie zu Einsparungen beitragen“, bemängelt Schmidt-Dengler.
Kritik an Strompreisbremse
Kritik üben die Experten auch an der Strompreisbremse der Regierung, denn damit gelinge es nicht, die Menschen zum Energiesparen zu motivieren. Im Gegenteil achte man laut Schmidt-Dengler erst bei höheren Preisen auf den Verbrauch. Bei der Strompreisbremse sei nicht sozial differenziert worden und es seien kaum Sparanreize entstanden.
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