Die Linzerin Andrea Grabner zieht auch im Winter ihren Bikini an und taucht im See unter: Eisbaden wird in ganz Österreich immer mehr zum Trend. Als sie mit der „Krone“ in den Weikerlsee in Linz steigt, hat das Wasser sechs Grad.
Das Pool-Thermometer, das heute ausnahmsweise einmal im See schwimmt, zeigt frische sechs Grad an. Doch Andrea Grabner (45) steht schon im Bikini am Ufer. Sie schließt die Augen, scheint sich zu sammeln – dann geht sie bedächtig und Schritt für Schritt ins tiefer werdende Wasser, taucht unter, wenngleich nur kurz: „Ich bin zwei bis drei Minuten bis zur Brust im Wasser.“
Schwimmen tue sie jedoch nicht – sie schwört lieber aufs Eisbaden, „bei dem ich nach einem stressigen Tag völlig zur Ruhe komme.“ Merkt sie die Kälte überhaupt? „Ja, sobald es unter 10 Grad geht, spüre ich sie stark.“
Erste Erfahrung vor vier Jahren
Vor vier Jahren ging Grabner das erste Mal im Rahmen eines Workshops im Winter in einen See, der halb zugefroren war. „Es ist wichtig, dass man am Anfang begleitet wird“, betont sie. Die ersten Male schickt der Körper nämlich heftige Botschaften aus: „Meiner hat mir signalisiert: Bist du wahnsinnig! Was tust du? Doch die richtige Atmung ist der Schlüssel!“, sagt sie.
Mit ruhigem Atem zum Glücksgefühl im Eis
Grabner lernte die sogenannte „Wim-Hof-Methode“, die der niederländische „Iceman“ und Rekordhalter im Eisbaden Wim Hof entwickelte. Durch diese spezielle Atemtechnik kann man mit niedrigen Temperaturen besser umgehen und bleibt ganz ruhig. Bei dem Kälte-Kick geht es Grabner um das Glücksgefühl, das hinterher entsteht, weil Adrenalin ausgeschüttet wird. Ein weiterer positiver Effekt: „Ich bin weniger oft krank, eine leichte Erkältung ist nach ein bis zwei Tagen weg.“ Ihre Durchblutung werde angekurbelt, sie fühle sich vitaler, stabiler – auch im Alltag: „Ich habe das Gefühl, dass ich Probleme leichter meistern kann.“
Kälte ist gesund: Das Abwehrsystem und das Herzkreislaufsystem profitieren. Erst durch Regelmäßigkeit stellt sich ein Effekt ein.
So gelingt’s: Beim Eisbaden nur kurz in der Kälte aufhalten. Ein Abfall der Körpertemperatur unter den kritischen Wert (34°C) kann lebensbedrohliche Folgen haben. Nicht plötzlich ins kalte Wasser gehen oder springen, sondern sich langsam anpassen. Eisbaden sollten nur gesunde Menschen. Es ist nicht für Kinder oder ältere Menschen geeignet, da diese schneller auskühlen. Alle Menschen mit chronischen Erkrankungen - vor allem mit Erkrankungen des Herzkreislaufsystems - sollten es unterlassen. Auch bei akutem Infekt sollte darauf verzichtet werden.
„Kann bedrohlich werden“
Dass Eisbaden gesund ist, bestätigt Primar Dr. Christopher Nimeth, Leiter der Inneren Medizin am Klinikum Wels-Grieskirchen. Aber man soll dabei klug vorgehen. „Nie plötzlich in das kalte Wasser gehen oder springen, sondern sich langsam anpassen, da sich die Blutgefäße in der Haut bei Kälte zusammenziehen und das kann bei einem plötzlichen Kältereiz bedrohlich werden“, betont er. Eisbaden sollten generell nur gesunde Menschen – siehe dazu auch unsere Fakten & Tipps oben.
Weil Grabner vom Eisbaden so begeistert ist, will sie ihre Erfahrungen in Workshops weitergeben. Sie hat gemeinsam mit Isabella Hollentin und Christian Schütz, einem „Wim-Hof-Trainer“, Oberösterreichs ersten Eisbade-Verein namens „Ice Froggies“ gegründet. „Gerade in der Coronazeit sind wir gewachsen. Die Community zählt schon 200 Eisbade-Fans.“
Unterschiede zwischen Geschlechtern
Als Trainerin beobachtet sie immer wieder, dass es im Umgang mit dem Kälte-Kick Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt: „Frauen können sich gut auf sich selbst fokussieren, daher lernen sie rasch, wie sie untertauchen können. Männer glauben, dass sie rascher und besser zurechtkommen müssen. Doch das klappt nicht. Erst mit innerer Ruhe kommt man zum Genuss!“
Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.