Sollte er sich von seinem Erstwohnsitz in Zug auf den Weg machen, müsste er zunächst die Bahn nehmen, um in einer guten Dreiviertelstunde in Zürich-Kloten zu sein, von wo es dann mehrere Möglichkeiten gibt, die Destination mit dem IATA-Code KGL anzufliegen. Egal, ob die Entscheidung für eine Verbindung über Brüssel oder aber über Dubai und Addis Abeba fällt, beträgt die Reisezeit etwa 25 Stunden. Vom Zweitwohnsitz in Doha aus stellt sich das anders dar, denn hier existiert eine Nonstop-Flugverbindung, die einen in nur sechs Stunden nach Kigali befördert. Kann natürlich auch sein, dass er die Reise mit dem Privatjet eines befreundeten Oligarchen bestreitet, jedenfalls gehen wir davon aus, dass Gianni Infantino rechtzeitig zum Beginn des FIFA-Kongresses am 16. März in der ruandischen Hauptstadt eintreffen wird.
Während des Flugs könnte der Herr Präsident, dem Wladimir Putin 2019 den „Orden der Freundschaft“ verliehen und ihn damit in eine Reihe unter anderem mit Karl Schranz, John Neumeier und Reinhold Mitterlehner gestellt hat, aus dem Medienangebot der First Class Billy Wilders „Das verflixte 7. Jahr“ auswählen und sich innerlich grinsend wie ein frisch lackiertes Hutschpferd darüber freuen, dass am 26. Februar, also heute, das siebte Jahr seiner Amtszeit zu Ende gegangen ist, ohne dass seine Machtposition trotz des mittlerweile imposanten Registers an Fauxpas und abstrusen Entscheidungen, mit denen er die Hyperkommerzialisierung des Weltfußballs konsequent vorangetrieben hat, Schaden genommen hätte, denn es wird bei seiner Wiederwahl weder einen Gegenkandidaten noch eine Gegenkandidatin geben, weshalb er der Zeremonie entspannt entgegensehen kann.
Alle, die hoffen, dies sei dann seine letzte Amtszeit, weil ein FIFA-Präsident laut Statuten nur für maximal drei Perioden gewählt werden kann, hat Funny Gianni schon längst eines Besseren belehrt und mitgeteilt, er befinde sich in seiner „ersten Amtszeit“, weil die Jahre 2016 bis 2019, als er heldenhaft für den zurückgetretenen Sepp Blatter eingesprungen war, nicht zählen würden. Womit wir wieder bei Putin wären, für den laut Verfassung 2024 Schluss gewesen wäre, hätte er nicht 2021 mit einer Gesetzesänderung seine bisherigen Amtszeiten seit 2000 einfach auf null setzen lassen, um so theoretisch bis 2036 weiterregieren zu können. Schön, wenn ziemlich beste Freunde ziemlich ähnliche Ideen haben. Und jetzt ist auch klar, warum Infantino das verflixte siebte Jahr nichts anhaben konnte: War ja schließlich erst das vierte.
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