Mit einer Videoreihe möchte ÖVP-Wien-Chef Karl Mahrer auf die „Brennpunkte“ der Bundeshauptstadt aufmerksam machen. Laut eigener Aussage thematisiert er die Probleme mit Passanten vor Ort. Dabei handelt es sich jedoch auch um Personen, die auch als Parteifunktionäre in der ÖVP aktiv sind.
„Hinschauen statt wegschauen“, betitelt Mahrer sein aktuelles Video, in dem er mit den Menschen über ihr „Empfinden“ über die Zustände in Wien-Favoriten gesprochen habe. Es handle sich um eine Gegend, „wo wir uns echte Sorgen machen müssen“, berichtet der frühere Wiener Polizeipräsident.
Man könne sich in der Nacht nicht mehr unbeschwert frei bewegen, die Kinder in den Innenhöfen würden kein Deutsch sprechen - „ich frage mich, wer in Zukunft hier leben möchte“: Die Aussagen der vermeintlichen Passanten, die im Video gezeigt werden, sollen dabei die Brisanz der Situation untermauern.
Passanten nicht als Funktionäre ausgewiesen
Während eine Befragte nur verpixelt gezeigt wird, sind zwei Männer, die ebenfalls scheinbar zufällig befragt werden, klar zu erkennen. Nutzer in den sozialen Medien, wie etwa der „Standard“-Journalist Fabian Schmid, haben sie nun enttarnt - es handelt sich bei ihnen um zwei Parteifunktionäre der Wiener Volkspartei, die weder mit Namen noch als Parteimitglieder ausgewiesen werden.
Konkret um ÖVP-Bezirksrat Daniel Soudek und Wolfgang Hengelmüller, ehemaliger Manager bei der Nationalbank und stellvertretender Bezirksobmann der ÖVP-Senioren in Favoriten.
„Warum macht man das?“
Nur eine Woche nach dem viel kritisierten Video vom Wiener Brunnenmarkt heimst sich Mahrer damit die nächste Kritikwelle in den sozialen Medien ein. Der ÖVP-Chef hatte sich damals über die dortigen Kaufleute beschwert, die „die Macht über den Brunnenmarkt übernommen“ hätten. „Warum macht man das, und warum macht man das dann auch noch so?“, kommentierte nun etwa „Krone“-Journalist Claus Pándi das nächste Videowerk der Partei.
Massive Kritik anderer Parteien
Kein Verständnis für das Video kommt aber auch aus der Politik: „Denen ist nix zu deppert“, schrieb der frühere NEOS-Abgeordnete Sepp Schellhorn, es sei „halt besonders einfach, seine Hetze weiterzuverbreiten, wenn man dazu seine eigenen Funktionäre auf der Straße befragt“, erklärten schließlich auch die NEOS Wien auf Twitter.
„Die Standler verdienen sich dafür Anerkennung und nicht rassistische Hetze“, kommentierte SPÖ-Bezirksrat Sascha Obrecht die Kampagne. „How low can you go, ÖVP Wien“, meinte die Co-Parteivorsitzende der Wiener Grünen, Judith Pühringer.
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