Uralte Quellen im Gebirgsmassiv trocknen aus. Betroffene Bauern sehen die Ursache im Bau des Tunnels. Für die ÖBB ist’s allerdings der Klimawandel.
Wenn die Rinder im Stall von Erwin H. durstig sind, trinken sie jetzt Leitungswasser. Das erhöht die Kosten. „Ich muss einige hundert Kubikmeter kaufen, das ist schon beträchtlich“, schildert H. im ORF-Interview. Früher wurde die Landwirtschaft nahe Raach im Hochgbirge, Bezirk Neunkirchen, von der hofeigenem Quelle versorgt. Doch diese ist versiegt. H. führt das auf den Semmeringbasistunnel zurück, der knapp 1,5 Kilometer entfernt durch den Fels gehauen wird.
Mit dem gleichen Problem hat Landwirt Franz E. in der Nähe von Schottwien zu kämpfen. Seine Wasserquelle fiel im vergangenen Herbst plötzlich trocken - und die Baustelle bei Göstritz, wo derzeit das letzte Teilstück des Semmeringbasistunnels gegraben wird, liegt in Sichtweite. Auch E. musste bereits ans Leitungsnetz anschließen.
ÖBB schiebt Schuld auf Klimawandel
Allerdings: Dass seine Quelle seit knapp einer Woche wieder sprudelt, nutzt die ÖBB, ihre Argumentationslinie zu stützen. Der Klimawandel habe die Quellen versiegen lassen, durch die starken Niederschläge der letzten Wochen fließe jetzt wieder Wasser. E. sieht das anders: Es handle sich um Regenwasser - doch das Bergwasser, das jahrhundertelang die Quelle gespeist habe, sei weg.
Es ist schwierig festzustellen, wie Wasserwege im Berg verlaufen. Man kann nicht alles auf den Klimawandel schieben.
Geologe der BOKU
Bei den ÖBB betont man, man arbeite beim Tunnelbau streng nach allen behördlichen Vorgaben. Und man wisse durch jahrelange Untersuchungen genau, welche unterirdischen Wasseradern dadurch betroffen seien – die Quellen der Bauern seien es nicht. Die Übernahme der Kosten der Landwirte für die Anschlüsse ans öffentliche Leitungsnetz wurde jedenfalls abgelehnt.
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