Ehrenamt

Früh aus den Federn aus Liebe zum Rehkitz

Salzburg
02.07.2023 15:00

Die ehrenamtlichen Rehkitzretter aus Werfen fliegen Wiesen mit einer Drohne ab, um die Kleinen vor dem Mähtod zu bewahren. Dafür sind sie auch schon um fünf Uhr unterwegs - und gehen danach oft direkt weiter zur Arbeit.

Seit 4.30 Uhr schickt Irmgard Wimmer schon SMS: Der Landwirt der Wengerau-Alm bei Werfenweng will Heu machen. Einsatz für die Rehkitzretter für Werfen, Pfarrwerfen und Werfenweng. Für Wimmer und ihre Kollegen bedeutet das: Aufstehen, Weidenkörbe und Kescher ins Auto packen und bei 15 Grad und Regen die Wiese mit einer Drohne mit Wärmebildkamera absuchen. Denn die Mähmaschinen können für die Rehe, die in der Wiese Schutz suchen, den Tod bedeuten.

Mit einer Wärmebildkamera an Drohne orten die Bergretter die Rehkitze in der Wiese. Dann wird das Bergungsteam losgeschickt. (Bild: Isabel Lochbühler)
Mit einer Wärmebildkamera an Drohne orten die Bergretter die Rehkitze in der Wiese. Dann wird das Bergungsteam losgeschickt.

„Das Problem sind die ganz jungen Kitze“, erklärt Wimmer. „Sie haben noch keinen Fluchtreflex.“ Sie drücken sich ins Gras, wenn sie Gefahr wittern. Ein Bauer übersieht sie beim Mähen einfach. Das wollen die Rehkitzretter verhindern und holen sich Hilfe von Manfred Schwaiger, Hansjörg Gschwendtner und Andreas Fercher von der Bergrettung. Sie fliegen mit einer Drohne mit Wärmebildkamera über die Wiese. Auf dem Bildschirm sind kleine weiße Punkte erkennbar – dort, wo es wärmer ist. Nicht jeder Punkt ist ein Kitz – auch ein warmer Stein scheint auf. Je früher und kühler es ist, desto genauer ist die Zuordnung möglich.

In einem luftdurchlässigen Weidenkorb harren die Kitze während der Mahd aus. Danach werden sie an derselben Stelle freigelassen. (Bild: Verein Rehkitzrettung und Copterassistenz Werfen)
In einem luftdurchlässigen Weidenkorb harren die Kitze während der Mahd aus. Danach werden sie an derselben Stelle freigelassen.

Die Emotionen liegen oft sehr nah beieinander
Nach einer halben Stunde Flug und genauer Beobachtung ist klar: Es liegt kein Kitz in der Wiese. Ein Auto kommt angerollt. Hermann Rainer will auf seiner Wiese daneben auch Heu machen. Schwaiger und seine Kollegen sehen einen Punkt auf dem Bildschirm. Wimmer, Hannah Bischof und Erich Bischof ziehen los zur Bergung. Mit dem Handy in der Tasche, Kopfhörern im Ohr und dem Weidenkorb lassen sie sich von Schwaiger telefonisch durch das hohe nasse Gras lotsen.

Und tatsächlich: Ein Rehkitz liegt dort zusammengerollt. Wimmer hebt das 1,5 Kilo schwere Kitz mit Handschuhen in den Korb, Kollege Bischof schließt schnell den Deckel. Das Kitz schreit, die Mutter antwortet aus dem Wald. „Das zerreißt einem fast das Herz“, sagt Wimmer emotional. Nach der Mahd werden die Kitze an derselben Stelle ausgesetzt. Für diesen Erfolg schlagen sich die Retter im Mai und Juni die Nächte um die Ohren. Oft geht es nach den Einsätzen direkt zur Arbeit. 25 gab es heuer schon. Bald ist die Mähsaison zu Ende und die Rehkitzretter können wieder ausschlafen.

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