Die meisten Abgabetiere in den niederösterreichischen Tierheimen sind aktuell zwischen eineinhalb und drei Jahren alt. Sie wurden offensichtlich während der Pandemie angeschafft.
„Wir haben gehofft, dass sich die Befürchtungen rund um unüberlegte Tieranschaffungen während Corona nicht bewahrheiten würden“, schildert Andrea Specht, Präsidentin des NÖ Tierschutzverbandes. Doch die aktuelle Lage sieht leider genau anders aus. Fast täglich melden sich Besitzer von Hunden und Katzen, die diese plötzlich aus beruflichen oder privaten Gründen abgeben möchten. „Und zwar am besten sofort, ansonsten drohen sie mit Aussetzen oder Einschläfern“, heißt es.
Auffallend: Die meisten dieser Tiere sind zwischen eineinhalb und drei Jahren alt. Sie wurden also genau während der Corona-Pandemie angeschafft. Waren sie in Zeiten von Quarantäne, sozialer Isolation und vermehrtem Homeoffice noch gern gesehene Begleiter, sind viele von ihnen anscheinend zur Belastung geworden – und landen als erste Anlaufstelle in einem der acht Tierheime in Niederösterreich.
„Wir würden gerne, können aber nicht“
„Wir würden gerne helfen, können aber nicht, denn unsere Tierheime sind belegt mit Fundtieren und vor allem beschlagnahmten Hunden“, so Specht. Besonders bei Letzteren dauert es durch lange Einspruchsfristen oft Monate, bis man sie weitervermitteln könne. „Sie blockieren unsere Tierzimmer auf lange Zeit. Und bei der Verrechnung der Kosten bleiben wir meist auf allen Rechnungen sitzen“, so Specht. Alleine diese Woche mussten 25 Hunde aufgenommen werden, eine weitere Beschlagnahmung steht im Raum. Zu viel! Das Kremser Tierheim konnte beispielsweise am Samstag erstmals bei einer Beschlagnahme nicht mehr helfen, ein Hund aus dem Bezirk Zwettl musste in ein privates Tierheim abgegeben werden. „Es ist einfach nichts mehr frei“, so Specht.
Wie bei den Hunden sieht auch bei den Katzen die Lage trist aus. Auch etliche Rassekatzen, viele trächtig und krank, mussten ihren Besitzern abgenommen werden. Zum Platzmangel kommt auch die finanzielle Problematik. „Die öffentlichen Subventionen, die seit 2012 kaum angehoben wurden, decken nur noch ein Drittel der tatsächlich benötigten Mittel und bei den Gehältern, die wir anbieten können, fehlen uns immer mehr Mitarbeiter“, so Specht. Spenden, die seit Corona ebenfalls massiv rückläufig sind, können das Defizit längst nicht mehr wettmachen.
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