Die Stars der Opernwelt holen die Bühnen Graz seit einigen Jahren für ein Open Air-Opernhighlight in die steirische Murmetropole. Auf der Schloßbergbühne Kasematten ist heuer Elīna Garanča in ihrer Paraderolle der Carmen zu erleben. An ihrer Seite feiert Ramón Vargas sein Rollendebüt als Don Jose.
Carmen hat in Graz die Hosen an. Schon in der ersten Szene blitzt unter einem schwarzen Wickelrock eine knallrote Hose durch. Als sie wenig später - in der szenisch angedeuteten Konzertversion von Bizets Opernklassiker - an der Bar sitzt und die Beine übereinanderschlägt, wird sichtbar, was Elīna Garanča von Anfang an spürbar gemacht hat: Sie legt ihre Paraderolle in Graz als erfahrene Verführerin an - sie reizt die Männer nicht mit neckischer Erotik, sondern mit legerer Eleganz. Freilich: An ihrem tragischen Tod kann auch diese Souveränität nichts ändern.
Souverän ist Garanča am Premierenabend auch stimmlich - was in ihrem Fall bedeutet: Sie lässt schlicht keinen Zweifel daran, warum dies eine ihrer Paraderollen ist. Vor allem in der tiefen Lage strahlt ihre Carmen farbenreiche Intensität aus und vermag auch ohne emotionaler Effekthascherei zu berühren.
Ramón Vargas feiert Rollendebüt
Als Don Jose feiert Ramón Vargas in Graz sein Rollendebüt und findet nach anfänglichen Unsicherheiten - etwa im Duett zwischen Don Jose und Micaela im ersten Satz - eindrucksvoll in seine Rolle. Je verzweifelter sein Liebhaber wird, umso stärker und auch kontrollierter wird Vargas, ohne dabei jemals ins Exaltierte zu kippen.
Dafür ist an diesem Abend Erwin Schrott zuständig, der den Stierkämpfer Escamillo mit beeindruckender Stimmfülle singt und ihm auch mächtige Bühnenpräsenz verleiht - feine Zwischentöne bleiben dabei jedoch auf der Strecke.
Starke Besetzung in der zweiten Reihe
Als Micaela glänzt Lokalmatadorin Tetiana Miyus mit berührenden Linien und entzückender Intensität. Sie ist damit auch die Speerspitze einer sehr starken zweiten Reihe aus Mitgliedern des Ensembles der Grazer Oper.
Mit Daeho Kim (Zuniga), Josephine Renelt (Frasquita), Andżelika Wiśniewska (Mercedes), Ivan Orescanin (Dancairo), Mario Lerchenberger (Remendado) und Markus Butter (Morales) sind diese Rollen allesamt erstklassig besetzt und auch der Grund dafür, warum auch die Gruppenszenen an diesem Abend beeindrucken.
Dirigent Marcus Merkel interpretiert die „Carmen“ den sommerlichen Temperaturen entsprechend nicht zu schwer oder pompös und führt das Orchester aus Mitgliedern der Grazer Philharmoniker mit spielfreudiger Leichtigkeit durch das Werk. Der Chor der Oper Graz (Leitung: Johannes Köhler) und die Singschul‘ (Leitung: Andrea Fournier) runden den gelungenen Abend ab.
Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.