Einst bestimmten spektakuläre Zukäufe die Schlagzeilen. In den letzten Monaten fiel René Benkos Signa-Gruppe jedoch durch eine Vielzahl an Verkäufen auf. Es schien so, als würde sich der Kaufhausjongleur nach seinen durchwachsenen Ausflügen ins Handelsgeschäft (in Deutschland Galeria Karstadt Kaufhof, in Österreich Kika/Leiner) wieder auf den Immobilienbereich rückbesinnen wollen. Mit frischem Geld, das durch die Abverkäufe ins Haus gekommen sein sollte.
Nun der nächste Rückschlag: Die Creditreform AG, die als größte der kleineren Ratingagenturen gilt, hat ihr Rating für Benkos Signa Prime Selection AG, die als Flaggschiff im verschachtelten Firmenkonglomerat gilt, ausgesetzt. Das geht aus einer Presseaussendung hervor, die am 18. August von der Creditreform publiziert wurde.
Darin heißt es unter anderem, man habe „Ratings der Signa Prime Selection AG“ und dreier Tochtergesellschaften „auf n.r. (not rated) gesetzt, da das zuletzt veröffentlichte Rating von A-/negativ nicht mehr aktuell ist und die Prüfung von Einwänden und Stellungnahmen der Signa Prime Selection AG im Zuge einer Ratingaktion andauert.“ Ein solches Aussetzen einer Bewertung versuchen Unternehmen - ganz generell - möglichst zu vermeiden, da es nicht unbedingt positive Signale in Richtung Kapitalmarkt und also potenzielle Investoren aussendet.
„Die Bonanzazeit ist vorbei“
Apropos Investoren: Brisant ist diese Entwicklung wohl auch Signa-intern. Immerhin sind an der Signa Prime Selection AG schillernde Persönlichkeiten wie etwa die Peugeot-Brüder oder der Hamburger Unternehmer und Fußballfan Klaus-Michael Kühne beteiligt. Kühne zählt aufgrund seiner Beteiligungen an Kühne + Nagel bzw. Lufthansa mit einem kolportierten Privatvermögen von rund 40 Milliarden Euro zu den reichsten Deutschen. Er bzw. sein Statthalter waren in den letzten Monaten bereits mit Kritik an Benkos Signa aufgefallen.
So titelte etwa die Schweizer „Handelszeitung“ Anfang März: „Milliardär überdenkt Investment: Klaus-Michael Kühne geht auf Distanz zu Immobilienunternehmer René Benko“. Der deutsche „Spiegel“ wiederum zitierte Kühnes Vertrauten Karl Gernandt, der im Aufsichtsrat der Signa Prime Selection AG sitzt, Ende Juli mit den Worten: „Die ‚Bonanzazeit‘ der vergangenen Jahre sei ‚definitiv vorbei‘“; „Signa Prime müsse auf einen ‚Konsolidierungskurs‘ schwenken, das Geschäft ‚nicht ausgebaut, sondern gesichert‘ werden.“ Gernandts Devise laut dem deutschen Magazin: „Risiko muss raus, Solidität rein.“
Übrigens: Ex-SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer nimmt sowohl bei Signa als auch bei der Strabag als Präsident wesentliche Aufsichtsratsfunktionen wahr. Strabag-Gründer Hans Peter Haselsteiner ist maßgeblicher Signa-Investor.
Als entscheidender Signa-Geldgeber gilt in Österreich die Raiffeisen-Bankengruppe, die der Signa-Gruppe laut „Spiegel“ in Spitzenzeiten in Summe etwa zwei Milliarden Euro geborgt haben soll. Zum Raiffeisen-Reich gehören auch Medienbeteiligungen wie etwa der „Kurier“.
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