Flieger abgeschossen
Prigoschins Handy gefunden, Leichen weggebracht
Nachdem Jewgeni Prigoschin, Chef der russischen Söldnergruppe Wagner, sowie sein Stellvertreter Dmitri Utkin bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen, reißen die Spekulationen rund um die Hintergründe nicht ab. Vieles deutet darauf hin, dass der Privatjet abgeschossen wurde. An einen Unfall glaubt kaum jemand. Mittlerweile wurden die Leichen von der Absturzstelle weggebracht, auch Prigoschins Handy soll gefunden worden sein.
Im Netz kursieren diverse Videoaufnahmen, die den Absturz des Flugzeugs vom Typ Embraer nördlich von Moskau in der Region Twer zeigen sollen. Kommentare dazu gibt es viele, manche wollen eine Explosion erkennen, andere wiederum einen Raketeneinschlag.
„Keine schnellen Schlüsse ziehen“
Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock warnte hingegen am Donnerstagvormittag vor Spekulationen. Der Flugzeugabsturz sei erst einige Stunden her, deswegen könne man „keine schnellen Schlüsse ziehen“, sagte die Grünen-Politikerin im Deutschlandfunk.
Der Vorfall unterstreiche aber, „dass ein System, dass eine Macht, dass eine Diktatur, die auf Gewalt gebaut ist, dass sie eben auch intern nur Gewalt kennt“, so Baerbock weiter. Das habe man „auf traurige, dramatische Art und Weise in den Vorjahren schon gesehen, wo Oppositionelle, wo Journalisten, wo einfache Menschen aus dem Fenster gefallen sind oder vergiftet worden sind“.
Leichen in die Gerichtsmedizin gebracht
Offiziell teilte Russland mit, dass man den Absturz untersuchen werden. Die Stelle, an der sich die Trümmer befinden, wurde großräumig abgesperrt. Berichtet wurde zudem, dass mittlerweile die sterblichen Überreste zur Untersuchung und Identifikation in die Gerichtsmedizin gebracht wurden. Auch soll Prigoschins Handy gefunden worden sein.
Die Wagner-Gruppe veröffentlichte auf Telegram das einzige bisher bekannte Video von Kommandant Dmitri Utkin:
Verschleierungsaktion nicht ausgeschlossen
Spekulationen, dass Prigoschin gar nicht an Bord der Maschine war, gibt es auch. Eine offizielle Bestätigung für seinen Tod gibt es seitens der Behörden nicht, auch wenn der Wagner nahestehende Telegram-Account Grey Zone seinen Tod meldete. Aber: Eine Verschleierungsaktion, um von der Bildfläche zu verschwinden, kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden.
Zumal schon zweimal voreilig über den Tod Prigoschins berichtet wurde. 2019 sollte er beim Absturz eines Frachtflugzeugs in Afrika, wo seine Wagner-Truppe aktiv ist, umgekommen sein. Im vergangenen Jahr wurde sein Tod im Osten der Ukraine vermeldet. Beide Male tauchte Prigoschin später lebend wieder auf.
Vom Putin-Günstling zum „Verräter“
Dass Kreml-Chef Wladimir Putin nichts mit dem Absturz des Privatjets zu tun hat, glaubt zumindest außerhalb von Russland kaum jemand. Auch die USA zeigten sich „wenig überrascht“ angesichts des Vorfalls. Putin hatte Prigoschin nach dessen versuchtem Aufstand im Juni im russischen Staatsfernsehen offen Verrat vorgeworfen.
Prigoschin, der lange als Günstling von Putin galt, war durch die Beteiligung der Wagner-Truppe an der Eroberung Bachmuts im Osten der Ukraine zu einem der bekanntesten Männer Russlands geworden. Er kritisierte aber auch die Militärführung in Moskau. Für die Beendigung des Aufstands sicherte ihm der Kreml Straffreiheit bei einer Ausreise nach Weißrussland zu.
Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.