Antisemitismus-Vorwurf

Aiwanger: Bruder schrieb entdecktes Flugblatt

Ausland
01.09.2023 16:52

Hubert Aiwangers älterer Bruder gestand, das entdeckte antisemitische Flugblatt geschrieben zu haben. Wie berichtet, war bei dem Stellvertreter von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als Schüler ein Pamphlet gefunden worden. Daraufhin wurden Forderungen nach seinem Rücktritt laut.

Aiwanger (51) hatte bereits am Samstag schriftlich zurückgewiesen, das Flugblatt selbst geschrieben zu haben. Gleichzeitig räumte er aber ein, es seien „ein oder wenige Exemplare“ in seiner Schultasche gefunden worden. Am Donnerstag entschuldigte sich der Politiker erstmals öffentlich. Er könne sich nicht erinnern, als Schüler je den Hitlergruß gezeigt zu haben. 

„Ich bereue zutiefst, wenn ich durch mein Verhalten in Bezug auf das in Rede stehende Pamphlet oder weitere Vorwürfe gegen mich aus der Jugendzeit Gefühle verletzt habe. Meine aufrichtige Entschuldigung gilt zuvorderst allen Opfern des NS-Regimes, deren Hinterbliebenen und allen Beteiligten und der wertvollen Erinnerungsarbeit“, sagte Aiwanger. Gleichzeitig ging der Freie-Wähler-Chef zum Gegenangriff über und beklagte eine politische Kampagne gegen ihn und seine Partei.

Hubert Aiwanger schrieb auf X (früher Twitter) von einer Schmutzkampagne.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte über das Flugblatt mit antisemitischen Inhalten berichtet. Darin ist unter anderem von einem „lebenslangen Aufenthalt im Massengrab“ und von einem „Freiflug durch den Schornstein von Auschwitz“ die Rede. Aiwangers Bruder Helmut sprach lediglich von einer „Jugendsünde.“

Söder: Entschuldigung „überfällig“
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete die Entschuldigung Aiwangers jetzt als überfällig. Sein Stellvertreter solle 25 an ihn gestellte Fragen rasch schriftlich beantworten, „am besten noch heute.“ Anschließend will er entscheiden, ob er Aiwanger rund einen Monat vor der Landtagswahl entlässt oder nicht. Für Söder seien noch viele Fragen offen, die Entscheidung solle aber fair, abgewogen und glaubwürdig getroffen werden (siehe Video oben).

Ein Sprecher Aiwangers meinte, dass die Fragen auch beantwortet werden würden. Die Kritik reißt unterdessen nicht ab. „Die Entschuldigung von Hubert Aiwanger bei den Opfern und Hinterbliebenen der Shoah war ein guter, wenn auch längst überfälliger Schritt. Bedauerlicherweise verbindet er dies mit einer Klage über eine politische Motivation der Vorwürfe und lässt weiterhin den Willen zu offener Aufklärung vermissen“, sagte etwa der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, zur „Bild.“

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