Von Moskau enttäuscht
Russlands Verbündeter will mit US-Armee trainieren
Offenbar entfernen sich die beiden Verbündeten Russland und Armenien zunehmend voneinander. Im Jänner hat das Verbot von Militärmanövern der russischen Armee auf armenischem Territorium für Aufregung gesorgt, nun ist sogar eine gemeinsame Militärübung mit den USA angekündigt worden.
Das vom 11. bis 20. September dauernde Manöver „Eagle Partner 2023“ beinhalte Operationen zur Stabilisierung von Konflikten bei der Erfüllung von Blauhelmmissionen, teilte das armenische Verteidigungsministerium am Mittwoch laut der staatlichen Nachrichtenagentur Armenpress mit. Die beiden ehemals sowjetischen Länder Armenien und Aserbaidschan kämpfen seit Jahrzehnten um die Region Berg-Karabach, die zwar auf aserbaidschanischem Gebiet liegt, aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt wird. Trotz eines von russischen Blauhelmtruppen überwachten Waffenstillstands kommt es immer wieder zu Gefechten. Aserbaidschaner blockieren zudem seit Monaten den Latschin-Korridor, der Armeniens einziger Zugang zu Berg-Karabach ist.
Beobachter beschreiben die Lage in Berg-Karabach als katastrophal. Es fehlt demnach etwa an Lebensmitteln und Medikamenten. Seit Mittwoch wird Brot nur noch gegen Bezugsscheine ausgegeben. In dem Zusammenhang hat die armenische Führung auch zunehmend Unzufriedenheit mit Russland als Vermittler geäußert. Die Regierung in Eriwan wirft Moskau, das lange als Schutzmacht der Armenier im Kaukasus galt, ungenügenden Einsatz vor.
Regierungschef: „Abhängigkeit von Russland strategischer Fehler“
Nun versucht man offenbar, auch westliche Staaten an der Lösung des Berg-Karabach-Konflikts zu beteiligen. Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan bezeichnete vor wenigen Tagen die Abhängigkeit von Russland in Sicherheitsfragen als „strategischen Fehler“.
US-Armee: Keine schweren Waffen bei Übung
Moskau, das in Armenien eine Militärbasis unterhält, zeigte sich besorgt. Man beobachte die Vorgänge genau, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Reaktion auf die Ankündigung zu Journalisten. Das geplante Manöver erfordere die Wachsamkeit Russlands. „Natürlich erregen solche Nachrichten Besorgnis, insbesondere in der gegenwärtigen Lage“, betonte Peskow. Ein Sprecher der US-Armee erklärte, an dem Manöver würden 85 Soldaten aus den USA und 175 aus Armenien teilnehmen. Die US-Soldaten werden demnach mit Gewehren bewaffnet sein, nicht aber mit schweren Waffen.
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