Es ist eine Frage des sprichwörtlichen „Kirchturmdenkens“: Saubere Energie ja - aber die Produktion bitte weit weg. Dies beschreibt die Lage in Leitzersdorf, wo eine Volksbefragung über einen Windpark stattfindet. Dieser ist, zum Unmut der Nachbarkommunen, just exakt an der Außengrenze der Gemeine geplant. Bei einer Infoveranstaltung entlud sich viel Ärger, die „Krone“ war dabei.
Der verstärkte Ausbau von Windkraft lässt vor allem Weinviertler rotieren: Der landesweite Löwenanteil der Riesen-Rotoren prägt hier schon ganze Landstriche. Als Folge der Energiekrise sind nun auch jene Regionen im Visier, die bislang von den bis zu 280 Meter hohen Anlagen unberührt blieben. Neue Projekte treiben Keile in Dorfgemeinschaften.
Der Schauplatz: Ein mit Girlanden geschmückter Stadl in Leitzersdorf im Bezirk Korneuburg, wo Infos zu sechs neuen Windrädern auf Schautafeln montiert sind. „Mein Ziel ist es, in ruhiger Atmosphäre alle offenen Fragen unserer Bürger bis zur Volksbefragung am 24. September zu klären“, so Bürgermeisterin Sabine Hopf. Bei der abschließenden Fragenrunde gingen jedoch die Emotionen hoch.
Standort widerspreche Naturschutzgedanken
Denn herbe Kritik am Projekt kommt vor allem aus Nachbarorten. Nicht ohne Grund: Deren Bürger dürfen nicht mitvoten, da der Windpark knapp an der Grenze zu deren Gemeinde errichtet werden soll. „Die negativen Auswirkungen bekommen vor allem wir zu spüren“, entrüstet sich eine Frau. Ein anderer Teilnehmer führt das Naherholungsgebiet am Wasch- und Michelberg ins Treffen: Die riesigen Anlagen würden über die Gipfel hinausragen und das Natura 2000-Gebiet samt Pilgerstätten des Jakobsweges stören.
Ein weiterer Gast des Info-Events meinte unter vorgehaltener Hand, dass auch Steinadler in dem Gebiet gesichtet werden und zweifelt an der Rechtmäßigkeit der Genehmigungs-Gutachten.
Auf die umstrittene Randlage von der „Krone“ angesprochen, verweist Ortchefin Hopf darauf, dass die Anlage laut Zonierungsplan nur dort genehmigt wurde. Die Volksbefragung sei der letzte Schritt einer langen Planungsperiode - das Ergebnis auf jeden Fall bindend.
Gegenwind im ganzen Viertel
Auch in Sulz im Bezirk Gänserndorf gibt es starke Widerstände gegen ein Projekt, das die dortige Teichlandschaft beeinträchtigen würde. Und in Gaubitsch, Bezirk Mistelbach, musste man eine Volksbefragung verschieben. Ein Grund: der nahe Naturpark Leiser Berge. Beide Regionen sind übrigens (noch) frei von Windrädern.
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