Die gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen war und ist ein ideologisches Streitthema. Nun kommt eine Sympathiebekundung von unerwarteter Seite. Tirols Bildungslandesrätin Cornelia Hagele von der ÖVP wagt sich auf vermintes Terrain. Sie kann der Idee einiges abgewinnen. Damit ist sie in den eigenen Reihen nicht mehr alleine.
Nur wenige europäische Staaten halten daran fest, Kinder in Mittelschüler und Gymnasiasten zu unterteilen - Österreich tut es. Tirols Bildungslandesrätin Cornelia Hagele (ÖVP) bekam dieser Tage bei einer Studienreise Einblick in die finnische Gesamtschule. Dort sitzen Kinder bis zum 15. Lebensjahr in einer Klasse.
Das Konzept der gemeinsamen Schule hat schon Charme.
Bildungslandesrätin Cornelia Hagele
Bild: Birbaumer Christof
Keine Denkverbote auferlegen
Gegenüber der „Krone“ meint Hagele, dass sie dem System durchaus etwas abgewinnen könne. „Das hat schon Charme“, sagt sie. Das ist bemerkenswert, zumal die ÖVP nicht als Befürworterin der gemeinsamen Schule bekannt ist.
Hagele spricht davon, dass man sich zum Wohl der Kinder keine Denkverbote auferlegen dürfe und verweist auf Vorarlberg, wo sich Parteikollegen ebenso dafür aussprechen. Vorarlbergs Regierung will die gemeinsame Schule, gegen ein Pilotprojekt gibt es aber Widerstand.
Kinder leben heute in zwei Welten und können nicht voneinander lernen.
Gregor Örley, Pädagogische Hochschule Tirol
Bild: Birbaumer Christof
Kinder leben in zwei Welten, können nicht voneinander lernen
Gregor Örley, jahrelang Direktor der Praxismittelschule an der Pädagogischen Hochschule Tirol, hat zum Thema geforscht und ist Teil der Initiative „Zukunft Schule jetzt“, die sich für Chancengleichheit einsetzt. Örley beobachtet vor allem in Innsbruck eine Trennung der Schulen „in zwei Welten“, in denen sich die Kinder nie wieder begegnen und damit nicht voneinander lernen können.
„Man muss das Gymnasium ja nicht gleich abschaffen, aber von mehr Zusammenarbeit unter Schulen profitieren alle“, lautet Örleys Vorschlag. In seinem Haus hat der Pädagoge immer darauf geachtet, dass in jeder Klasse verschiedene Leistungsniveaus vertreten sind: „Ich sehe viele Vorteile für alle Kinder.“
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