Die ukrainische Armee hat im Osten und Süden des Landes wieder Geländegewinne gemeldet. Im Abschnitt Bachmut sollen in der vergangenen Woche zwei Quadratkilometer befreit worden sein, zudem seien mehrere Bohrinseln zurückerobert worden, hieß es. Die ukrainische Gegenoffensive wurde vor ungefähr drei Monaten gestartet.
Insgesamt sind laut Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maljar am Abschnitt Bachmut 49 Quadratkilometer zurückerobert worden. Im Gebiet Saporischschja seien die russischen Besatzer südlich des Dorfes Robotyne und westlich des Ortes Werbowe von weiteren 1,5 Quadratkilometern verdrängt worden. Einen weiteren Geländegewinn soll es bei mehreren Bohrinseln gegeben haben, zum Beispiel sei die Plattform der Boiko-Bohrtürme zurückerobert worden.
Die strategisch wichtigen Inseln hatte Russland bereits 2015 erobert. Laut dem ukrainischen Geheimdienst könne der Kreml die Gas- und Ölplattformen jetzt nicht mehr zu militärischen Zwecken nutzen. „Russland wurde der Fähigkeit beraubt, die Gewässer des Schwarzen Meeres vollständig zu kontrollieren, und dies bringt die Ukraine einer Rückeroberung der Krim viele Schritte näher“, hieß es. Die Bohrinseln befinden sich unweit der annektierten Halbinsel Krim. Die russische Seite äußerte sich zu diesen Angaben bisher nicht öffentlich.
Bevor Russland die Krim eroberte, förderte die ukrainische Regierung einen erheblichen Teil ihres Erdgases aus dem Schwarzen Meer und versorgte damit sowohl die Halbinsel als auch die Festlandregionen mit Gas. Der Krieg in der Ukraine dauert bereits 18 Monate lang. Die russischen Besatzer kontrollieren einschließlich der Halbinsel Krim weiter mehr als 100.000 Quadratkilometer ukrainischen Staatsgebiets. Das ist mehr als die Gesamtfläche Österreichs. Zusätzlich zu den Bohrinseln sollen auch Hubschraubermunition und ein Radarsystem für Schiffe erobert worden.
Erfolg hängt von Reserven ab
Laut dem Militärexperten Carlo Massala haben die ukrainischen Streitkräfte eine Chance von 40 bis 50 Prozent, bis zum Ende des Jahres die verbliebenen russischen Abwehrstellungen zu überwinden. „Das hängt allerdings von mehreren Faktoren ab: Wie reagieren die Russen? Haben sie noch genug Reserven? Werden die Ukrainer die relativ kluge Operationsführung beim Durchbruch durch die ersten beiden Verteidigungslinien fortsetzen? Und: Können Sie ihre Verluste minimieren?“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
Die ukrainischen Soldatinnen und Soldaten brauchen vor allem Nachschub an Munition, Ersatzteilen und Artilleriesystemen. Dass langsame Waffenlieferungen die Gegenoffensive gefährden, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj meint, hält Massala jedoch für fragwürdig. Bestimmte Waffen, wie etwa 500 bis 600 Kampfpanzer, könne die Ukraine gar nicht ausreichend aus dem Westen bekommen, weil sie nicht vorhanden seien.
Die ukrainische Gegenoffensive soll im Herbst und Winter fortgesetzt werden.
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