Tausende Vermisste

5200 Tote in Libyen: „Überall liegen Leichen“

Ausland
12.09.2023 18:06

Bei dem verheerenden Unwetter in Libyen sind nach Angaben eines Sprechers mindestens 5200 Menschen gestorben. Unabhängig ließen sich die Zahlen zunächst nicht bestätigen. Während Retter und Angehörige nach Überlebenden suchen, gelten laut Rotem Kreuz rund 10.000 Menschen als vermisst.

Allein in der Hafenstadt Darna starben nach Angaben der Rettungskräfte mehr als 2300 Menschen. Etwa 7000 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte am Dienstag ein Sprecher der libyschen Not- und Rettungsdienste mit.

Sturm „Daniel“, der schon in Griechenland schwere Zerstörungen hinterlassen hatte, erfasste das nordafrikanische Land mit rund sieben Millionen Einwohnern am Sonntag. Besonders schwer betroffen ist die Hafenstadt Darna. Videos und Fotos in sozialen Medien zeigten ein katastrophales Ausmaß: zerstörte Häuser und Autos in von Schlammmassen überschwemmten Straßen.

Laut Augenzeugenberichten ließen die starken Winde Strommasten umstürzen. Mitten in der Nacht brach dann mit einem lauten Knall ein Staudamm unweit der Küstenstadt. Schließlich gab auch ein zweiter Damm den Wassermassen nach, die vom Tal Richtung Darna donnerten. Sehenswürdigkeiten, Häuser und Menschen sollen so ins Meer gespült worden sein.

„Überall liegen Leichen“
„Die Lage ist sehr katastrophal. Überall liegen Leichen - im Meer, in den Tälern, unter den Gebäuden“, sagte der Luftfahrtminister der im Osten herrschenden Regierung, Hichem Chkiuat. Er rechne damit, dass die endgültige Zahl der Opfer „sehr, sehr hoch“ sein werde. „Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass 25 Prozent der Stadt verschwunden sind.“

Mehr als 300 Opfer wurden nahe Darna in Massengräbern beerdigt. „Erst wurden diejenigen begraben, deren Identität festgestellt wurde“, sagte ein Augenzeuge. „Wegen des Stromausfalls und fehlender Plätze für die Leichen wurden die anderen Toten fotografiert und dann begraben, um sie später identifizieren zu können.“ Unter den Opfern sollen sich ganze Familien befinden, die zusammen beerdigt wurden.

In Libyen tobt Bürgerkrieg
Die betroffenen Regionen wurden zu Katastrophengebieten erklärt. Die Regierung in der Hauptstadt Tripolis unter Ministerpräsident Abdul Hamid Dbaiba sprach von den schwersten Regenfällen seit mehr als 40 Jahren. Am Montag wurde eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Die Katastrophe schien das Bürgerkriegsland zunächst zusammenzuschweißen, wie Helfer berichteten.

Derzeit kämpfen zwei verfeindete Regierungen - eine mit Sitz im Osten, die andere mit Sitz im Westen - um die Macht. Alle diplomatischen Bemühungen, den bis heute andauernden Bürgerkrieg friedlich beizulegen, scheiterten bisher. Der Konflikt wird durch ausländische Staaten zusätzlich befeuert. Die staatliche Ordnung ist in dem Land weitgehend zerfallen, zahlreiche Konfliktparteien ringen um Einfluss, nachdem Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 gewaltsam gestürzt worden war.

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