Bericht vor Konzerten

Lindemann: Einstweilige Verfügung gegen den ORF

Society International
15.09.2023 11:03

Vor den Rammstein-Konzerten im Juli 2023 in Wien veröffentlichte der ORF die Schilderung einer Frau aus Österreich, die behauptete, von Lindemann auf das Gesäß geschlagen worden zu sein. Am Freitag informierten die Anwälte des Sängers in einer Presseerklärung darüber, dass das Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung den Bericht betreffend erlassen hat. 

Darin heißt es: „In einem über orf.at verbreiteten Artikel vom 24.07.2023 mit der Überschrift, ,Nun auch schwere Vorwürfe aus Österreich‘ hatte der Österreichische Rundfunk ORF unmittelbar vor den Rammstein-Konzerten in Wien über Vorwürfe einer anonymen Frau berichtet, die unseren Mandanten beschuldigt, sie anlässlich eines Rammstein-Konzerts in einem Hotelzimmer mehrfach geschlagen zu haben.“

„Einstweilige Verfügung“
Mit einstweiliger Verfügung des Landgerichts Hamburg vom 08.09.2023 (Az. 324 O 337/23) werde dem Österreichischen Rundfunk nunmehr untersagt, „den Verdacht zu erwecken, Till Lindemann habe im Zuge der Rammstein-Tour gewalttätige Handlungen an einer Frau gegen deren Willen vorgenommen. Vom Verbot umfasst sind die Kernvorwürfe der Frau.“

Auch die Seite „Laut.de“ habe eine einstweilige Verfügung erhalten.

Auf Anfrage hielt der ORF dazu fest: „Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass Zeit und Ort des geschilderten Vorfalls nicht offengelegt worden seien, wodurch Herr Lindemann nicht die Möglichkeit erhalten habe, sich ausreichend zu verteidigen. Ebenjene Informationen hat der ORF in der Berichterstattung und auch vor Gericht bewusst nicht offen gelegt, weil Anonymität und Quellenschutz oberste Priorität für den ORF haben.“

Till Lindemann (Bild: Viennareport)
Till Lindemann

Weiters erklärte der ORF: „Durch Offenlegung von Ort und Zeit wären Rückschlüsse auf die Identität der Frau möglich gewesen, wodurch Repressalien zu erwarten gewesen wären.“ Weil die Betroffene anonym bleiben möchte, habe sie bisher auch keine Anzeige gegen Lindemann erstattet. „Die damaligen Berichte waren mit Chatprotokollen, Fotos und zwei unabhängigen Gutachten untermauert. Von Rechtsmitteln sieht der ORF ab, wird aber über etwaige neue Erkenntnisse in dem Fall umgehend berichten.“

Ermittlungen eingestellt
Ermittlungen gegen Till Lindemann in Berlin, die Vorwürfe mehrere Frauen betreffend, wurden bereits Ende August eingestellt. Seit Mai hatten mehrere Frauen Vorwürfe vorgebracht und Situationen bei Partys im Umfeld der Band geschildert, die sie nach eigenen Angaben teils als beängstigend empfanden.

Zunächst hatte eine Frau aus Nordirland geäußert, im Umfeld eines Rammstein-Konzerts in Litauen womöglich betäubt und verletzt worden zu sein. Schnell tauchten Beschuldigungen auf, manche anonym in Zeitungsberichten, manche auch mit Namen versehen im Internet.

Wie die „Bild“ am Donnerstag berichtete, steht die Frau nun selbst im Fokus der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Litauen, wegen Verdachts der Verleumdung. Es wird geprüft, ob die 24-Jährige eine Falschaussage getätigt hat. Das Ermittlungsverfahren wurde bereits im Juli eingeleitet, so ein Sprecher. Anklage wurde allerdings bislang nicht erhoben. 

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