Seit Monaten wird in der Ärztekammer Wien nur gestritten. Zu einer denkbar ungünstigen Zeit. Vorläufiger Höhepunkt: Handgreiflichkeiten und weitere Anzeigen in der Kuriensitzung am Freitagabend.
Freitagabend, Kuriensitzung der niedergelassenen Ärzte der Ärztekammer Wien. Nach fünf Minuten eskaliert die Lage. Die Kontrahenten: Präsident Johannes Steinhart und sein Vize Erik Huber. Ersterer verlässt mit Getreuen den Raum und führt laut Huber eine „eigene, illegale Sitzung“ durch. Zuvor sei es noch zu Handgreiflichkeiten gekommen.
Selbst Verhaftung steht im Raum
Gegenüber der „Krone“ spricht Huber von einem Putsch: „Das ist die Verzweiflungstat eines alten Mannes.“ Huber will auch den Grund kennen: „Ich habe vor drei Tagen eine Sachverhaltsdarstellung gegen Steinhart eingebracht.“ Darin legt er der Staatsanwaltschaft nahe, dass es gegen Steinhart wegen Verdunkelungsgefahr sofortige Maßnahmen bräuchte - mögliche Verhaftung inklusive.
„Equip4Ordi“ und die Folgen
Außerdem serviert Huber in der Sachverhaltsdarstellung der Staatsanwaltschaft weitere Argumente zum „Equip4Ordi“-Skandal. Die Firma für Ordinationsbedarf war unter Steinharts Ägide - als Hubers Vorgänger in der Kurie der niedergelassenen Ärzte - ins Leben gerufen worden und in einem Strudel aus nicht nachvollziehbaren Zahlungen, Ämtern für Vertraute Steinharts und verloren gegangenen Geldern untergegangen. Huber hatte den Skandal aufgedeckt und sich Steinhart damit zum Feind gemacht.
Ohnehin ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits seit Monaten in der Causa „Equip4Ordi“. Bis hin zu Hausdurchsuchungen reichte dabei schon das Spektrum. Huber ist in seiner Sachverhaltsdarstellung überzeugt: Bei der Causa gehe es nicht „nur“ um Veruntreuung oder Untreue, sondern bewussten Betrug mit einer Schadenssumme von insgesamt 1,4 Millionen Euro. Steinhart war für eine telefonische Stellungnahme zu den Vorwürfen nicht zu erreichen.
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