50 Millionen Euro fließen vorerst in Tirol in den neuen Rechtsanspruch auf Bildung für Kinder ab dem 2. Lebensjahr. Ab 2026 soll das Modell in ganz Tirol greifen. Man erwartet sich durch den Schritt vor allem mehr Arbeitskräfte am Markt. Damit er gelingt, brauche es die Lösung aus starren Strukturen.
Jedes Kind weiß: Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen (wird es aber doch gebrochen, musst du in der Suppe kochen). Es war eines der großen Versprechen der Schwarz-Roten Tiroler Koalition: Das Recht auf Kinderbetreuung ab dem zweiten Lebensjahr, ganzjährig, ganztägig, leistbar.
Und die Tiroler Regierung macht ernst, wie LH Anton Mattle, LR Cornelia Hagele, WK-Präsident Harald Mahrer und Vize-Präsidentin der WK Tirol Martina Entner gestern bei einer Pressekonferenz mitteilten: Als erstes Bundesland in Österreich wird das Recht auf Kinderbetreuung bzw. -bildung umgesetzt. Gestartet wird bereits nächstes Jahr in Modellregionen, 2026 ist dann ganz Tirol dran. „Der Fokus muss auf den Kindern liegen“, betonte Mattle. Mahrer sieht hier Tirol als Vorbild. Im Regierungsprogramm steht noch als weitere Ausbaustufe der Anspruch ab dem 18. Lebensmonat - davon war nun aber keine Rede mehr.
Kampagne zur Findung von Personal ausgerollt
Die Schwierigkeit Nummer 1 sei das Personal. Dafür wird eine Kampagne ausgerollt, die dazu motivieren soll, Elementarpädagoge zu werden. Auch beim Standort müsse man sich von starren Strukturen lösen: Der könne im Heimatort liegen, aber auch am Weg zur Arbeit der Eltern. Alle müssen miteinbezogen werden: Öffentliche, private und betriebliche Einrichtungen sowie Tageseltern.
Gründe, die für einen Ausbau der Kinderbetreuung sprechen, nennt das Quartett einige: Damit könne etwa gegen die Niveau-Unterschiede in den Schulen vorgegangen werden, was für echte Chancengleichheit spreche. Natürlich gehe es auch darum, die Eltern wieder oder mehr in den Arbeitsmarkt zu bekommen: Entner betont, dass 65.000 Frauen in Österreich mehr arbeiten würden. Mahrer geht vom Doppelten aus.
Der Fokus muss auf den Kindern liegen.
Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP)
Der Rechtsanspruch ist für die Regierung selbstverpflichtend, einklagen soll man ihn nicht können. Man muss sich auf das Versprechen der Landesregierung also verlassen. Und sonst muss diese eben - wenn es nach dem Kinderreim geht - in der Suppe kochen . . .
„Krone“-Kommentar: Fokus auf Kinder kann schärfer sein
Die Landesregierung holte sich in Finnland - wie berichtet - Inspiration für das neue Recht auf Kinderbetreuung ab dem 2. Geburtstag. Gelernt habe sie dabei, dass der Fokus auf dem Kind liegen müsse. Geredet wurde dann doch hauptsächlich über die Wirtschaft, und dass man durch die Kinderbetreuung Eltern wieder mehr in den Arbeitsmarkt integrieren könne. Nicht allein deshalb, weil der Rechtsanspruch im Regierungsprogramm unter dem Punkt „Wirtschaft“ geführt wird. Kommen die Kinder dabei zu kurz? Allein das Wort „Betreuung“ durch „Bildung“ auszutauschen - damit kann es nicht getan sein. Es ist bekannt, dass besonders die ersten Lebensjahre für die Entwicklung des Menschen essenziell sind. Trotzdem werden keine Worte über das inhaltliche Bildungsangebot verloren, Gruppengrößen oder wie Kindergärten ausgestattet sein sollen. Der Schritt ist natürlich begrüßenswert, doch der Fokus auf das Kind könnte schon etwas schärfer sein.
Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.