Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) appelliert an die Bevölkerung, sich auch in diesem Herbst gegen Grippe und Corona impfen zu lassen. Zugleich stellte er den niedergelassenen Ärzten die Rute ins Fenster, dass er sich nur noch eine Woche anschauen werde, bis er ihnen die Impfhoheit entzieht.
Alles in allem zeigte sich Rauch in der ORF-„Pressestunde“ am Sonntag zuversichtlich, was die Corona-Situation betrifft. Man habe derzeit einen viel besseren Überblick über die Lage als vor einem Jahr. Die leicht steigenden Zahlen und rund 200 Patienten aktuell in den Spitälern seien „keine alarmierende Nachricht“.
Maskenpflicht nur bei dramatischer Verschärfung
Der Gesundheitsminister appellierte erneut zur Auffrischungsimpfung, insbesondere bei älteren Personen, und zum Maske-Tragen in größeren Menschenmassen.
Eine neuerliche Maskenpflicht wollte er nicht ausschließen, wenn sich die Situation dramatisch verschärfen sollte oder im Fall einer anderen Virusvariante, „momentan finden wir aber das Auslangen mit Empfehlungen“.
„In einer Woche“
Kritik, dass die Impfmöglichkeiten im niedergelassenen Bereich in Österreich unübersichtlich seien, könne er zum Teil teilen, sagte Rauch. Die Ärzteschaft habe darauf gedrängt, dass das Impfen bei ihnen ablaufe, aber wenn das „in einer Woche“ nicht funktioniere, werde das Gesundheitsministerium das anders organisieren.
„Weil ich schaue nicht zu, wenn Impfstoffe da sind, Leute sich impfen wollen und zu keinem Impftermin kommen.“
Mehr Ärzte im Kassensystem
Einmal mehr forderte Rauch, dass mehr Ärzte ins Kassensystem gebracht werden, indem die Rahmenbedingungen für Kassenärzte attraktiver werden und Wahlärzte mindestens dieselben Bedingungen wie Kassenärzte erfüllen. In Bezug auf den Medikamentenmangel sieht Rauch die „österreichischen Hausaufgaben“ erledigt, nun gelte es auf europäischer Ebene einen gesetzlichen Rahmen herzustellen.
Warnungen der Pharmaindustrie vor neuerlichen Medikamentenengpässen kritisierte er als „Theaterdonner“, hinter dem auch Eigeninteressen stünden.
Absage an Ambulanzgebühr
Einer Ambulanzgebühr zur Entlastung der Spitalsambulanzen erteilte Rauch einmal mehr eine Absage. Um den Personalmangel zu bekämpfen, gelte es, die Rahmenbedingungen beim Gesundheitspersonal zu verbessern, in die Ausbildung zu investieren und eine qualifizierte Anwerbung aus dem Ausland durchzuführen, so der Minister.
Von Alleingängen einzelner Bundesländer halte er wenig, so Rauch. Er plädierte für ein gemeinsames Vorgehen mit anderen Ländern wie Deutschland. „Das ist die Chance, die wir als Österreich haben, wir sind schlicht zu klein und ein Bundesland erst recht.“
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