„Ich bekenne mich nicht schuldig“, leitet der 39-jährige Angeklagte im Landesgericht Wiener Neustadt ein. Er war Geschäftsführer der Käserei Gloggnitz, produzierte dort auch das Milchprodukt Kaymak. Was ihm vorgeworfen wird, ist schwerwiegend: Fünf Menschen sollen durch verunreinigte Produkte aus seinem Betrieb an den Folgen einer Listeriose gestorben sein. Sechs weitere, darunter ein Baby im Mutterleib, erkrankten.
Angeklagt ist der 39-jährige frühere Geschäftsführer der Käserei Gloggnitz. Ihm wird von der Staatsanwaltschaft grob fahrlässige Tötung in fünf Fällen sowie grob fahrlässige Körperverletzung bzw. schwere Körperverletzung in sechs Fällen - im Zeitraum März 2020 bis Oktober 2022 - zur Last gelegt.
Tragische Schicksale
Eines der Opfer war noch nicht einmal auf der Welt. Baby Maria (Name geändert) litt bei seiner Geburt 2022 an einer Listeriose-Erkrankung, die wohl noch im Mutterleib von ihrer Mama übertragen wurde. Sie kam sieben Wochen zu früh auf die Welt, musste künstlich beatmet werden und erlitt eine lebensbedrohende Sepsis.
„Mein Mandant ist ein Pflegefall. Er sitzt im Rollstuhl, musste neu sprechen lernen“, berichtet der Vertreter eines weiteren schwer erkrankten Opfers. Dass der Mann überlebt hat, sei nur seinem sportlichen Lebensstil vor der Infektion zu verdanken.
Die Brücke zwischen dem unbescholtenen Angeklagten und den traurigen Ereignissen ist nicht nachvollziehbar.
Anwalt Elmar Kresbach verteidigt.
Geschäftsführer war zuvor Fleischer
Listerien sind Bakterien und die Erreger der Listeriose, einer seltenen, hauptsächlich durch Lebensmittel übertragenen Erkrankung. Im konkreten Fall sollen die Bakterien im Kaymak-Käse aufgetreten sein. „Kaymak ist ein spezifischer Käse, der vom Balkan herstammt“, führt der angeklagte Serbe aus. Schon sein Onkel hatte in der Heimat dieses Produkt produziert. Er selbst lernte bei einer Fleischerei in Wien. In seiner mittlerweile geschlossenen Käserei arbeiteten nur bis zu fünf Personen, das Hygienekonzept habe er von der Fleischerei übernommen.
Interessant: Alle Opfer leben in Wien. Fünf Österreicher, drei Frauen und zwei Männer zwischen 28 und 80 Jahren, starben. Für Verteidiger Elmar Kresbach beruht die Anklage auf einem sehr brüchigen Konstrukt: „Die Brücke zwischen dem unbescholtenen Angeklagten und den traurigen Ereignissen ist nicht nachvollziehbar“, sagt der erfahrene Anwalt, „es kann nicht irgendeiner der Sündenbock sein, nur damit jemand schuldig ist.“
Schimmel, Insekten und Mäuse
Die Staatsanwältin führt die Erkrankungen auf mangelnde Hygiene zurück. Die Richterin konfrontiert den Angeklagten mit den zahlreichen Vorwürfen: „Es fehlen Insektenschutzgitter. Es gab keine ungeziefersichere Tür“, erläutert sie, dass sogar Mäuse und Ratten in den Reiferaum gelangen hätten können. „Es besteht Schwarzschimmel an Wänden. Im Lager herrscht ein muffiger, dumpfer Geruch“, liest sie vor. „Im Reiferaum gab es Pfützen“, „Bei Probeziehungen wurde dem Inspektor nicht aufgemacht, teilweise war niemand anwesend.“ - der Angeklagte weist die Vorwürfe zurück. Er habe alle Mängel sofort behoben, beteuert er. Anfang 2022 wurde Anzeige erstattet.
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