Jährlich werden österreichweit alleine in Spitälern Speisen im Wert von 100 Millionen Euro entsorgt. Eine gewaltige Verschwendung. Der Wiener Gesundheitsverbund steuert jetzt gegen.
Wiens städtische Kliniken sind nicht nur Lebensretter, sondern immer öfter auch Lebensmittelretter. Potenzial ist auf jeden Fall vorhanden. Fast ein Drittel der ausgegebenen Essensmenge landet in heimischen Spitälern in der Tonne - teilweise sind es sogar mehr als 50 Prozent. Franz Tragner von United Against Waste rechnet vor: „In Österreich sind es rund 20.000 Tonnen jährlich. Damit werfen wir einen Warenwert von 100 Millionen Euro einfach weg.“ Wien und der Gesundheitsverbund (Wigev) als größter Gesundheitsdienstleister Österreichs ist davon besonders betroffen. Zusammen mit United Against Waste werden jetzt neue Initiativen gesetzt. Diese tragen erste Früchte. Gemeinderat Stephan Auer-Stüger: „Alle Wigev-Kliniken machen mit. Hietzing und Favoriten sind hier Vorreiter.“
Experten rechnen jedoch mit einem mindestens siebenstelligen Betrag, den der Gesundheitsverband pro Jahr spart. Kein leichtes Unterfangen, denn schließlich werden in den Wigev-Einrichtungen jährlich rund 228.000 Patienten stationär sowie 30.000 Mitarbeiter versorgt. Und bei den unterschiedlichen Patientengeschichten kommt hier der Planung und Logistik eine besondere Aufgabe zu.
Tipps auch für zuhause
Karin Wohlfarter, bei der Vinzenz-Gruppe für Nachhaltigkeit zuständig, gibt Einblicke: „Lebensmittelrettung beginnt mit einem Blick auf die Teller. Durch das Monitoring erkennen wir, was nicht angenommen wird und dementsprechend im Müll landet. So wurden Menüpläne und Rezepturen angepasst und einzelne Bestandteile, die häufig übrig geblieben sind, ersetzt.“ Weitere Beispiele: Beim Frühstück wurde aufgrund des Rücklaufes festgestellt, dass die Milchportionen zu groß sind. Diese wurden angepasst. Weiters wird das übrig gebliebene Brot z. B. in Form von Bröseln weiterverarbeitet. Auch Schöpfwerkzeuge wurden adaptiert. Viele Tipps lassen sich auch in den eigenen vier Wänden beherzigen.
Tipps für Hotellerie und Gastronomie
Österreich hat sich dem UN-Nachhaltigkeitsziel verpflichtet, vermeidbare Lebensmittelabfälle bis 2030 zu halbieren. Das Klimaschutzministerium und die Stadt Wien unterstützen daher Programme von „United Against Waste“, die Betriebe der Gemeinschaftsverpflegung, Gastronomie und Hotellerie bei der Reduktion von vermeidbaren Lebensmittelabfällen begleiten. „Lebensmittelverschwendung ist schlecht für die Umwelt und für unser Klima. Das Vermeiden von Lebensmittelabfällen und die Weitergabe von genussfähigen Lebensmitteln sind daher das Gebot der Stunde. Das hilft wertvolle natürlichen Ressourcen zu schonen und ist auch wirtschaftlich sinnvoll. Deshalb sagen wir mit zahlreichen Initiativen der Lebensmittelverschwendung den Kampf an und ich freue mich, dass wir Jahr für Jahr mehr Lebensmittel vor der Tonne bewahren.“, so Klimaschutzministerin Leonore Gewessler.
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