Nehammer zu Besuch

Norwegen ist Österreichs neuer Gas-Freund

Politik
27.09.2023 17:23

Die OMV holt sich jetzt mehr norwegisches Erdgas. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) drängte bei seinem Besuch auf die unterirdische Speicherung von CO₂.

Der Ukraine-Krieg hat viele Profiteure. Einer davon ist Norwegen. Das Land hat seine Erdgas-Exporte im Jahr 2022 verdreifacht. Österreich hat sich auf der Suche nach Ersatz für das russische Gas ebenfalls nach Norden orientiert. Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) besuchte das skandinavische Land am Mittwoch mit einer Wirtschaftsdelegation. Beim gemeinsamen Auftritt mit seinem norwegischen Amtskollegen Jonas Gahr Støre betonte er, dass die OMV mehr Gas von Norwegen kauft. Mit dem staatlichen Energieriesen Equinor wurde ein Fünf-Jahres-Liefervertrag unterzeichnet. Ab 1. Oktober 2023 wird jährlich eine Menge von zwölf Terawattstunden (TWh) an den virtuellen Hub in Deutschland geliefert. Österreichs jährlicher Gasverbrauch beträgt rund 90 TWh.

von links: Gahr Støre, Wirtschaftsminister Martin Kocher und Nehammer (Bild: APA/Harald Schneider)
von links: Gahr Støre, Wirtschaftsminister Martin Kocher und Nehammer

Norwegen speichert seit Jahren CO₂ in der Erde
Ein großes Thema bei dem Besuch war die Speicherung von CO₂. Norwegen macht das sogenannte „Carbon Captur and Storage“ (CCS) seit über 30 Jahren. Das Gas wird dabei verflüssigt und in geleerte Gas- und Ölfelder geleitet und gelagert. Die Technologie ist kostspielig und wird von manchen Umweltorganisationen kritisch gesehen. Die Grünen lehnen sie inzwischen nicht mehr ab.  CO₂-Speicherung ist in Österreich und weiteren acht EU-Staaten, darunter auch Deutschland, allerdings verboten.

Die ÖVP drängt auf eine rasche Aufhebung dieses Verbots. „Nur durch Technologieoffenheit können wir stärker und wettbewerbsfähiger werden“, so Nehammer. Der Kanzler besuchte im Rahmen seiner Norwegen-Visite, bei der er von Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) begleitet wurde, ein CSS-Projekt nahe der Hauptstadt Oslo. In dieser Anlage wird Müll verbrannt und damit Energie erzeugt. Die dabei entstehenden Emissionen sollen künftig verflüssigt und gespeichert werden.

Das Speicherprojekt in Hafslund (Bild: APA/Harald Schneider)
Das Speicherprojekt in Hafslund

Österreich erarbeitet eine eigene Strategie 
Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) ist - als für Bergbau zuständiger Minister - beauftragt, eine Strategie für die Speicherung von CO₂ zu entwickeln. Voraussetzung ist allerdings, dass das Parlament mit Zweidrittelmehrheit zustimmt. Laut Analysen des Finanzministeriums müssten jährlich fünf bis zehn Millionen Tonnen CO₂ eingespeichert werden. Österreich hat dafür nicht genug Speicherplatz und müsste CO₂ nach Norwegen exportieren. Andere Länder machen das bereits.

Norwegen ist Vorreiter bei erneuerbarer Energie
Die Grünen sind gegenüber CCS inzwischen aufgeschlossen, betonen aber, dass das kein Ersatz für die Emissionsreduktion sein darf. Norwegen erreicht seine Klimaziele vor allem durch Einsparungen im Verkehr und im Energiesektor. Das Land hat bereits 80 Prozent Nullemissionsfahrzeuge und ist mit 77,4 Prozent Spitzenreiter bei erneuerbarer Energie. Das Erdgas und Erdöl, das es fördert, wird fast zu 100 Prozent exportiert. Norwegen hat seit 1991 eine CO₂-Steuer, die mit derzeit 180 Euro zu den höchsten der Welt zählt. In Österreich beträgt sie 32,5 Euro pro Tonne.

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