Knapp 200 Jahre lang befand sich am Areal des Salzburger Uniklinikums ein Friedhof. Das ruft jetzt Archäologen auf den Plan.
Sie graben bedächtig, nutzen feine Pinsel und packen Knochen für Knochen in Zeitungspapier. Bevor die Bagger am Gelände des Salzburger Landeskrankenhauses auffahren, sind die Archäologen am Werk. Die Experten untersuchen das Baufeld für den Neubau der Inneren Medizin III penibel. Denn: Auf dem Areal befand sich bis zum Jahr 1901 ein Spitalsfriedhof. Geschätzte 500 Skelette sollen sich hier unter der Erde befinden, 150 hat man seit dem Sommer bereits ausgegraben.
„Wir untersuchen jeden Fund. Medizinhistorisch ist das Ganze sehr interessant“, sagt Peter Höglinger vom Bundesdenkmalamt. Wie wurden die Menschen damals versorgt? Wie haben sie sich ernährt? Haben sie Verletzungen oder Mangelerscheinungen? Auf all diese Fragen erhoffen sich die Experten Antworten. „Danach werden die Skelette würdevoll bestattet, voraussichtlich am Kommunalfriedhof“, sagt Paul Sungler, Geschäftsführer der Landeskliniken (SALK).
Der Friedhof wurde im Jahr 1695 angelegt. Zuerst war er ein reiner Krankenhausfriedhof. Ab 1792 fanden auch Verstorbene aus Mülln, Riedenburg und Maxglan hier ihre letzte Ruhestätte. „Identifizieren werden wir wohl nur noch sehr wenige Personen können“, sagt Höglinger.
Bei den Ausgrabungen entdeckten die Wissenschaftler zudem die Fundamente ehemaliger Friedhofsgebäude, Teile der Mauer und einen Tunnel.
Der Neubau der Inneren Medizin III selbst soll Ende 2026 fertig sein. Ein dringend notwendiges Unterfangen. Sungler: „Die Klinik ist auf insgesamt sieben Standorte in fünf Gebäuden aufgeteilt – und diese Gebäude sind teilweise am Ende ihrer Nutzungsdauer angelangt.“
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