YouTube sinnvoller
Ukrainische Soldaten enttäuscht von NATO-Training
Mehrere ukrainische Soldaten, die eine Ausbildung der NATO in Großbritannien, Spanien, Deutschland oder Polen absolviert haben, haben sich von den Kursen enttäuscht gezeigt. Die Strategien der Organisation seien nicht anwendbar - außerdem könne es sich das angegriffene Land nicht leisten, auf erfahrene Soldaten zu verzichten, um diese auf Trainings zu schicken.
Die französische Zeitung „Le Monde“ berichtete über den Unmut von ukrainischen Kämpfern, die teils Tausende Kilometer weit zu Ausbildungen in den Westen geschickt wurden. „Die Arbeit verrichtet hier allein die Infanterie in kleinen Gruppen - die Strategie der NATO können wir so gar nicht anwenden. Die NATO wird es irgendwann verstehen“, erklärte Ihor, der als stellvertretender Kommandant einer Mörsereinheit im umkämpften Bachmut in der Ostukraine tätig ist.
Soldat warnt: „Russland hat keine schwache Armee“
„Es mangelt an Soldaten. Wir können es uns nicht leisten, auf erfahrene Soldaten zu verzichten, indem wir sie zur Ausbildung in neuen Technologien und Kampftaktiken schicken“, kritisierte Ihor. Ein Kollege fürchtet, der Westen würde Moskau unterschätzen: „Russland hat keine schwache Armee. Sie haben sich sehr schnell angepasst, sie haben ein menschliches Reservoir, das wir nicht haben, und Material in Hülle und Fülle“, wird der Bataillonskommandant Vadim zitiert. Er würde sich wünschen, dass Ausbildner der NATO einen Monat lang an die ukrainische Front geschickt werden. „Sie werden sehen, dass sich die Dinge jeden Tag ändern.“
Übersetzungsfehler sorgen für Verwirrung
Neben der mangelhaften Ausbildung sei auch die Sprachbarriere ein Problem. „Einmal sagten uns die Trainer, dass wir auf unsere eigene Sicherheit achten sollten, bevor wir an die Verletzten denken. Die ukrainischen Übersetzer verstanden: ,Wenn Sie Verwundete haben, töten Sie sie zu Ihrer Sicherheit‘“, erzählte der 24-jährige Soldat Yeyhen, der vergangenes Jahr in Großbritannien ausgebildet wurde.
Soldat informiert sich lieber auf YouTube
Die Ausbildung sei unrealistisch, führt er aus. „Die Aktivitäten im Training beschränkten sich auf Infanteriebewegungen ohne feindliches Feuer, ohne Granaten, ohne Minenfelder und ohne Scharfschützen, obwohl dies unser tägliches Leben vor Ort ist.“ Er würde sich deshalb lieber auf YouTube informieren, was den Umgang mit neuen Waffen oder Kriegstaktik betrifft.
„Länder, die nicht kämpfen, bringen uns das Kämpfen bei“
Auch der Feldwebel Vasil zeigte sich enttäuscht von der NATO-Ausbildung, die er gemeinsam mit Briten und Dänen organisiert hatte. „Ich habe ihnen gesagt, dass die NATO-Handbücher nicht für die Ukraine gelten, etwa für den Angriff auf die Schützengräben“, so der Soldat. Auch er habe YouTube genutzt, um Einsätze zu planen oder Meinungsverschiedenheiten zu überwinden. Zudem sei der Einsatz von Drohnen im Training zu kurz gekommen. „Wir haben nur einmal Drohnen benutzt, um unsere Infanteriemanöver vom Himmel aus zu beobachten“, erzählte Vasil, der betont, dass unbemannte Flugkörper zum Kriegsalltag dazugehören würden. „Länder, die nicht kämpfen, bringen uns das Kämpfen bei. Das Gegenteil sollte der Fall sein.“
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