Große Party in Moskau
Ein Jahr Annexion: Russland feiert mit Nazi-Losung
In Russland wurde am heutigen Freitag der erste „Jahrestag“ der völkerrechtswidrigen Annexion von vier ukrainischen Gebieten gefeiert. Aus diesem Anlass hat Kreml-Chef Wladimir Putin eine Schweigeminute für ehemalige Häftlinge eingelegt, die im Krieg gefallen sind. Zudem ging am Roten Platz in Moskau ein „patriotisches Konzert“ über die Bühne. Laut dem russischen Exilmedium „Medusa“ erinnert dessen Name stark an eine Losung der Nationalsozialisten.
Russische Staatsmedien veröffentlichten am Freitag ein Video von einem Treffen Putins mit Soldaten, die am Angriffskrieg gegen die Ukraine beteiligt gewesen sein sollen. Durch den Kriegseinsatz hätten sich die Häftlinge von ihrer Schuld befreit, sagte der Kreml-Chef in dem kurzen Filmausschnitt. „Wir alle sind Menschen, und jeder kann irgendwelche Fehler begehen. Sie haben sie begangen, aber sie haben ihr Leben für das Vaterland gegeben und ihre Schuld in vollem Umfang gesühnt“, sagte Putin.
Russland hat seit dem Einmarsch in die Ukraine vor mehr als 19 Monaten immer wieder auch Gefängnisinsassen für den Kampfeinsatz rekrutiert. Laut offenen Quellen sind bislang 32.656 russische Soldaten in der Ukraine ums Leben gekommen, wie Journalisten von „BBC Russia“ und vom oppositionellen Nachrichtenportal „Mediasona“ berichteten.
Die meisten Verstorbenen waren wohl Häftlinge
Die meisten Verstorbenen waren demnach ehemalige Häftlinge, die zuerst von der Privatarmee „Wagner“ und danach vom russischen Verteidigungsministerium angeworben worden waren. Viele von ihnen starben in den äußerst verlustreichen Kämpfen etwa um die ostukrainische Stadt Bachmut vor einigen Monaten. Darüber hinaus häufen sich Berichte über aus der Ukraine zurückgekehrte Ex-Häftlinge, die in Russland neue Verbrechen begehen.
Patriotisches Konzert im Herzen Moskaus
Auf dem Roten Platz stieg am Freitag angesichts der Einverleibung der ukrainischen Regionen Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja vor einem Jahr die Feier „Ein Land, eine Familie, ein Russland“. Das russische Exilmedium „Medusa“ macht auf Parallelen zu der Losung „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ aufmerksam, mit der die Nationalsozialisten seit 1933 für sich Werbung machten und damit ebenfalls auf eine nationale Geschlossenheit verweisen wollten.
Innenpolitische Machtdemonstration
Der Kreml wollte die Veranstaltung vor allem als innenpolitische Machtdemonstration nutzen. Zu den Teilnehmern zählen russische Popstars, die mittlerweile zum Standardprogramm von Konzerten solcher Art geworden sind, wie etwa Dima Bilan, Grigori Leps oder Sergej Lasarew.
Auch Putin taucht bekanntlich gerne bei patriotischen Feiern auf. Dieses Mal musste Kreml-Sprecher Dmitri Peskow allerdings dessen Anhänger enttäuschen - die Veranstaltung zähle nicht zu den Plänen des Präsidenten, hieß es aus dem Machtapparat. Anders als früher ist auch, dass das Konzert dieses Mal weder im TV noch im Internet übertragen wurde.
Annexion ukrainischer Gebiete
Am 30. September 2022 hatten Putin und die Anführer der selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk sowie der von Russland brutal einverleibten ukrainischen Gebiete Saporischschja und Cherson eine Vereinbarung unterzeichnet, laut der sich die Regionen Russland anschließen. Als Vorwand dienten damals angebliche Siege Russlands bei Scheinreferenden.
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