Die Schließung der Chirurgie in Bruck an der Mur sorgt für untragbare Zustände in der Region Hochsteiermark. Das Rote Kreuz steht vor dem Kollaps - und muss Patienten teils den halben Tag von Spital zu Spital führen. So wurde eine 100-jährige Patientin von drei Notaufnahmen abgewiesen!
Es sind Zustände, die man eher in einem Entwicklungsland verorten würde - und nicht in Österreich. Die Schließung der chirurgischen Abteilung am LKH Bruck hat die Region Hochsteiermark in eine veritable Versorgungskrise gestürzt!
Pensionist hatte offenen Bruch
Wenn das Rote Kreuz, das grundsätzlich nicht zum Alarmismus neigt, eilig zur Pressekonferenz trommelt, muss Feuer am Dach sein. Und tatsächlich schildern Siegfried Schrittwieser, Ex-SPÖ-Landesrat und Rotkreuz-Bezirksstellenleiter in Bruck, sowie Ortstellenleiter Helmut Maier Haarsträubendes: So musste ein 70-jähriger Pensionist, der sich bei Holzarbeiten einen offenen Bruch (!) zugezogen hatte, nach der Erstversorgung durchs halbe Land gekarrt werden, bevor ihn endlich ein Krankenhaus aufnahm.
Erst wies ihn das nächstgelegene LKH Bruck wegen mangelnder Kapazitäten ab. Dann beteuerte man im LKH Leoben, man habe zu wenig Ärzte. „Leider nein“, sagte man schließlich auch in Kalwang - und schickte den Schwerverletzten weiter. Die schmerzhafte Odyssee endete für den Steirer erst im UKH Graz.
100-Jährige von drei Notaufnahmen abgewiesen
Nicht viel anders erging es einer 100-jährigen Patientin, die ebenfalls von drei Notaufnahmen abgewiesen wurde: „Wir waren drei Stunden mit ihr unterwegs“, berichtet Schrittwieser der „Krone“. So eine Situation, wie sie jetzt - nach einem wahren Ärzte-Exodus in den Spitälern der Region - herrsche, habe er in 40 Jahren als ehrenamtliches Rotkreuz-Mitglied noch nie erlebt, ärgert sich das Polit-Urgestein. Und spart nicht mit Kritik an der Krankenanstaltengesellschaft Kages: „Der Vorstand muss untersuchen, wer für diese Misere Verantwortung trägt.“
Die Menschen haben das Gefühl für Sicherheit verloren. Die Zeiten, als unser Gesundheitssystem Vorzeigemodell in Europa war, sind längst vorbei.
Rotkreuz-Urgestein Siegfried Schrittwieser
Bild: Heinz Weeber
Der ehemalige Landeshauptmannstellvertreter berichtet auch von Schimpftiraden, die Sanitäter wegen langer Fahrten und Wartezeiten über sich ergehen lassen müssten, und vom steigenden Frust, der viele Freiwillige vertreibe: „Die Steiermark war immer ein sicheres Land - aber innerhalb weniger Monate hat man das Gesundheitssystem an die Wand gefahren!“
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