Von der Jausenholerin und Sekretärin zur Chefin: In den vergangenen vier Jahrzehnten sind viele Jobs weiblich geworden - auch wenn Kärnten sich bei der Gleichstellung lange schwer getan hat, wie Zahlen und Archiv zeigen. So ist es noch nicht lange her, dass die ersten Kärntnerinnen die Chefetagen in Politik und Wirtschaft eroberten!
Vor 40 Jahren hat Sylvia K. ihre ersten Erfahrungen in der Kärntner Arbeitswelt gesammelt. Sie erinnert sich mit sehr gemischten Gefühlen daran: „Schikanen und Mobbing gegenüber Frauen waren damals ganz normal. So musste ich in der Mittagspause Jause für Dutzende ältere Kollegen zu holen, es gab Hänseleien und später auch sexuelle Belästigung. Wenn Frau sich beschwerte, hieß es, was regst dich denn auf?“
Seit 1983 hat sich hier aber zum Glück doch einiges geändert: Die Rechte von Frauen und auch jungen Mitarbeitern wurden gestärkt; für gleiche Arbeit sollte es auch gleichen Lohn geben - auch wenn diese Entwicklung noch mühsam ist. So zeigt der jüngste Gehaltsreport für Kärnten auf, dass Frauen nach wie vor um 11, 3 Prozent weniger verdienen - das sind bei einem Durchschnittseinkommen von 46.667 Euro brutto immerhin 5273 Euro. Die Gründe für diesen „Gender Pay Gap“ untersucht auch Ökonomin Claudia Goldin, die dafür den Wirtschaftsnobelpreis bekam.
Frauen arbeiten mehr, verdienen aber weniger
Unter anderem fängt es bei der Berufswahl an, dass Frauen finanziell benachteiligt sind - und bei der Entscheidung für eine Familie und Kinder. Denn dass Frauen im Job zurückstecken, werde laut Goldin sogar „gesellschaftlich vererbt“. Kärnten versucht da etwas gegenzusteuern. Etwa mit dem Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen auf aktuell 571 Einrichtungen. Waren in den Achtzigern 56,2 Prozent der Frauen erwerbstätig; sind es heute rund 70 Prozent, davon die Hälfte allerdings in Teilzeit. Gleichzeitig ist die Männerbeschäftigtenquote gesunken - von fast 83 auf 78 Prozent.
Überraschenderweise unflexibel präsentieren sich die Arbeitszeiten in Österreich, die seit 1975 gelten: Je nach Branche zwischen 38,5 und 40 Stunden; bei den Pflegekräften kommt etwas in Bewegung, auch andere Gewerkschaftsvertreter fordern ja eine Vier-Tage-Woche. Das würde auch zum Schlagwort der „Work-Life-Balance“ passen, einem Synonym für ein ausgewogenes und befriedigendes Arbeits- und Privatleben, das für viele Arbeitskräfte immer wichtiger wird. Neu ist das Konzept übrigens nicht. Im Gegenteil: 1986 in den USA „geboren“ ist es fast so alt und dabei gleich modern wie die „Kärntner Krone“.
Pionierinnen aus Kärnten
Erinnern Sie sich noch an die SP-Politikerin Karin Achatz? Sie verdient es, hier erwähnt zu werden - denn Achatz war 1989 die Erste Landtagspräsidentin in Kärnten und 1990 dann die erste Landesrätin. Bis dahin regierten nur Männer. Nicht zu vergessen ist dabei auch eine Besonderheit der österreichischen Gesetze: Denn erst seit 1975 dürfen Frauen ohne Zustimmung ihres Ehegatten arbeiten. Kein Wunder, dass es in männerdominierten Institutionen und Unternehmen doch seine Zeit dauerte, bis Frauen auch an die vorderste Front konnten.
Etwa bei der Polizei. Da wurde 2012 die Juristin Michaela Kohlweiß zur Direktorin der Landespolizeidirektion bestellt - und war damit österreichweit die erste Frau im Chefsesessel einer Sicherheitsbehörde. Apropos Chefsessel: Auch Monika Kircher ist eine Kärntner Pionierin. Die Villacherin wurde 2007 zur Vorstandsvorsitzenden von Infineon Österreich - und übergab sieben Jahre später wieder an eine Frau. Sabine Herlitschka ist eine der wenigen Top-Führungskräfte im Land, wie Herta Stockbauer bei der Bank für Kärnten. In der Justiz gibt es mit Ulrike Svetina am Landesgericht eine Vizepräsidentin und in der Staatsanwaltschaft Klagenfurt mit Tina Frimmel-Hesse und Sandra Agnoli zwei Stellvertreterinnen. - Es wird.
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