„Krone“-Kolumnist Harald Petermichl hat sich in das Reich der Heiligen begeben. Und hat sich dabei den Schutzpatron der Fußballer, den heiligen Luigi Scrosoppi, etwas genauer angeschaut.
Egal, ob Hannibal oder „Pappa“ Heinrich Lohse, wenn jemand „ante portas“ steht, dräuen meistens Mühsal und Verdruss. Auch wenn, so wie jetzt, Allerheiligen vor der Tür steht, weil dann Menschen, die mit dem Schmücken ihrer Grabstätte mit Erika und Chrysanthemen massiv im Verzug sind, Stress bekommen. Das ist aber immer noch deutlich besser, als wenn statt Allerheiligen alle Heiligen vor der Tür stünden, weil das sicher ein rechtes Gewusel gäbe. Interessanterweise ist beim Zentralkomitee in der Città del Vaticano gar nicht klar, wie groß diese Branche tatsächlich ist, denn das 2004 aktualisierte Martyrologium Romanum weist zwar 6.650 Heilige und Selige sowie 7.400 Märtyrer aus, die aktuelle Gesamtanzahl der Heiligen ist aber trotz intensiver Recherche nicht zu ergründen.
Fest steht dafür, dass einer aus dieser illustren Runde als Schutzheiliger für den Fußball zuständig ist, wenn auch noch nicht allzu lange, weil ihm diese angesichts der Machenschaften von FIFA und UEFA eher undankbare Aufgabe erst 2010 vom damaligen Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt angetragen wurde. Die Rede ist von Aloisius „Luigi“ Scrosoppi (1804 - 1884), bei dem es sich um einen gebürtigen Österreicher handelt, weil er im damals austriakischen Udine (übrigens in einer Städtefreundschaft mit Klagenfurt) das Flutlicht der Welt erblickte. In einer Biographie ist vermerkt, dass Scrosoppi selbst „vermutlich nicht gekickt“ hat, was plausibel klingt, da der Verein Udinese Calcio erst 1896 seine Gründung erfahren hat und es sich nicht geziemt hätte, im Ornat zu tschutten.
„Endlich haben alle Fußballspieler und -fans einen Schutzpatron, den sie anrufen können“, so der Bischof damals, ohne allerdings die Handynummer des Franziskaners preiszugeben. Entscheidend für die Vergabe des Schutzpatronats dürfte übereinstimmenden Berichten zufolge das Motto des Hl. Aloisius gewesen sein, das „Arbeite, leide, schweige“ lautet. Drei Imperative, von denen die beiden ersten eher auf das kickende Defensivpersonal zutreffen, während der dritte angesichts des überbordenden Interview- und Analyse-Overkills maßgeschneidert auf den modernen Fußball passt. Ein ernsthafter Konkurrent für Scrosoppi war übrigens ein Schweizer, nämlich der Hl. Otmar von St. Gallen. Da sich dort aber seit 1924 ein Turnverein mit eigener Jugendriege TSV St. Otmar St. Gallen nennt, wurde das wieder verworfen. Eh besser, denn die Mauscheleien, wenn FIFA-Boss und Fußball-Schutzheiliger Landsleute wären, mag man sich lieber gar nicht vorstellen.
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