Jeder siebente Oberösterreicher hat aktuell zu wenig Geld, ist dadurch ausgrenzungsgefährdet, weil es nicht mehr am sozialen Leben teilnehmen kann. Besonders alarmierend: Immer öfter sind davon auch Kinder und Jugendliche betroffen. Caritas und Volkshilfe versuchen zu helfen.
Ich hatte Angst, dass mir mein Baby weggenommen wird.“ Acht Wochen lang lebte eine junge Mutter mit ihrem fünf Monate alten Baby ohne Strom, bevor sie bei der Volkshilfe OÖ um Hilfe angesucht hat. Schicksale wie jenes sind leider keine Seltenheit mehr. Zwei Beraterinnen widmen sich bei der Volkshilfe ausschließlich dem Projekt „Kinderarmut abschaffen“, beziehungsweise den betroffenen Personen. Mit verschiedenen Fonds versucht man, etwa bei Ausgaben im Bereich Gesundheit oder bei schulbezogenen Kosten zu helfen. „Beim Fonds ,Urlaub von der Armut‘ steht die soziale Teilhabe von armuts- oder ausgrenzungsgefährdeten Kindern und Jugendlichen im Fokus. Wir organisieren kostenlose Freizeitangebote und bieten Kindern und Jugendlichen unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern die Teilnahme an diversen Aktivitäten“, heißt es auf „Krone“-Nachfrage.
Diese enorme Zunahme der absolut Armen ist für ein so reiches Bundesland wie Oberösterreich kein Ruhmesblatt.
Andreas Stangl, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich
Immer mehr brauchen Hilfe
Auch bei den Beratungsstellen der Caritas werden die Helfer mit herzzerreißenden Fällen konfrontiert. „Wir verzeichnen einen Anstieg an Anfragen. Im vergangenen Jahr hatten wir in Oberösterreich 10.086 Klienten, 4954 davon mit betroffenen Kindern. Außerdem kommen die Personen, die Hilfe brauchen, jetzt auch öfter zu uns. Mit einer einmaligen Überbrückung ist es nicht mehr getan“, erklärt Cornelia Birklbauer von der Sozialberatung Linz. Vor allem zu Schulbeginn würden viele Eltern finanzielle Hilfe benötigen.
„Die Sozialhilfe muss angehoben werden“
Insgesamt sind 15 Prozent der Oberösterreicher (219.000 Personen) armuts- oder ausgrenzungsgefährdet – darunter auch rund 59.000 Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre. 25.000 Oberösterreicher sind erheblich materiell und sozial benachteiligt, können nicht einmal am „Mindestlebensstandard“ teilnehmen. „Die Sozialhilfe muss mindestens bis auf die Armutsschwelle erhöht werden. Auch die Nettoersatzrate beim Arbeitslosengeld muss statt derzeit 55 mindestens 70 Prozent betragen“, fordert Andreas Stangl, Präsident der Arbeiterkammer OÖ.
Abgenutzte Kleidung ersetzen oder zwei Paar passende Schuhe haben: 25.000 Oberösterreicher stellen diese scheinbar banalen Herausforderungen bereits vor unüberwindbare Hürden. Denn sie gelten als „absolut arm“, können praktisch am täglichen Leben kaum teilnehmen.
Besonders besorgniserregend ist die hohe Anzahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Sie werden in die Armut hineingeboren, müssen darauf hoffen, dass sich ihre Eltern rechtzeitig Hilfe suchen. Ohne fremde Unterstützung werden sie sonst in dem negativen Hamsterrad gefangen bleiben.
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