„Kabale und Liebe“, aufdringlich inszeniert, aber mit ausdrucksstarken jungen Laien im Burg-Vestibül.
Kinder, auch Jugendliche erzeugen auf der Bühne ein Leuchten, um das sie von vielen Schauspielern beneidet werden. Wie man ihnen dieses Leuchten mit allen Mitteln auszuknipsen versucht – und wie die Untat am Ende doch misslingt -, das kann jetzt im Vestibül des Burgtheaters studiert werden. „Kabale und Liebe“ ist angekündigt, „nach Schiller“. Dessen Plot wäre außer ein paar historischen Erläuterungen nichts anzufügen: Ein junges, für einander bestimmtes Paar hängt am Ende tot in den Klassenschranken.
An der Burg buchstabiert die Regisseurin Ebru Tartici Borchers bis zur unfreiwilligen Parodie den postdramatischen Katalog ab. Jeder der acht jungen Laien spielt alle Rollen, so dass das avisierte Publikum der Altersgruppe 14+ der klaren, aufwühlenden Geschichte nicht mehr folgen kann.
Berufsjugendliches Palaver substituiert die Textarbeit, die Anbiederung wird mit Tanzgymnastik und Pop-Gesang auf die Spitze getrieben. Und doch ist hier jeder eine Persönlichkeit, und eine behinderte junge Frau kann sogar unverstellten Schmerz glaubhaft machen. Ebru Tartici Borchers ist also kein Schicksal. Das muss an diesem Abend als Mehrwert genügen.
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