Schwarze Dämmerung. Wird das was mit dieser blau-schwarzen Bundesregierung? – Die Abschlussfrage von Lou Lorenz-Dittlbacher in der „Runde der Chefredakteurinnen und Chefredakteure“ bei ORF III Freitagabend. „55 zu 45, dass es was wird“, antwortete ich. Mit der Ergänzung: „Aber an fünf gemeinsame Jahre glaube ich nicht.“ Und um darüber hinaus noch eine Risikowette anzubieten: „Das Ganze platzt dann nächstes Jahr.“ Ja, das halten auch Kolleginnen und Kollegen für möglich. Gestern, einen Tag später, wuchs die Skepsis gegenüber Blau-Schwarz weiter. Wenn man hört und liest, wie ruppig sich die beiden Parteien aufeinander (oder auseinander?) zubewegen. Rainer Nowak analysiert in der Sonntags-„Krone“ das von größtem Misstrauen geprägte Verhältnis zwischen der Kickl-FPÖ und der Stocker-ÖVP. Gestern vermeldeten wir auf krone.at (und berichten heute in der „Kronen Zeitung“), was sich gleich wie ein Lauffeuer verbreitete – die neueste Idee des Ober-Blauen, um die Schwarzen so richtig ins Eck zu treiben: Er fordert eine Bankenabgabe! Weil der Ober-Rote Andreas Babler so eine „Raiffeisen-Steuer“ gefordert hatte, waren die ÖVP-SPÖ-Koalitionsverhandlungen vor zwei Wochen endgültig geplatzt, heißt es. Nun dämmert es auch in der Volkspartei, um wie viel einfacher eine Regierung mit schwachbrüstigen Roten gewesen wäre – im Gegensatz zu dem, was ihr unter den muskelstrotzenden Blauen jetzt ins Haus steht. 55:45, dass es etwas wird? Höchstens! Und Blau-Schwarz hält bis nächstes Jahr? Längstens!
Haider und Kickl. So oder so oder so – die FPÖ steht derzeit unter Herbert Kickl so gut da wie nie zuvor. Wie nicht einmal unter Jörg Haider, unter dem in den 90ern zuvor gänzlich ungeahnte blaue Höhenflüge begonnen haben. Heute wäre der 2008 bei einem Verkehrsunfall zu Tode gekommene legendäre Politiker 75 Jahre alt. Conny Bischofberger sprach mit Witwe Claudia Haider für das große Sonntags-Interview über ihren Ehemann und wollte von ihr unter anderem wissen, ob Jörg Haider stolz auf die aktuelle FPÖ wäre. „Ich denke, er wäre stolz“, sagt Claudia Haider, „denn die FPÖ ist seinen Weg sehr konsequent weitergegangen, sie hat seine Ideen und Visionen weitergetragen und weiterentwickelt.“ Und was schätzt Haiders Witwe an Herbert Kickl? „Seine Konsequenz. Ich schätze auch seinen Intellekt und seine philosophischen Ansätze. Er ist ein gescheiter Mensch. Ich schätze auch seine Empathie, er hat ein Gefühl fürs Volk.“ Und Claudia Haider gefällt auch „seine hohe Toleranzgrenze gegenüber Menschen, die ihn persönlichst diffamieren“. Darauf meint Bischofberger, dass aber auch Kickl nicht fremd sei, andere zu diffamieren. Sie wolle ihn nicht verteidigen, sagt dazu Claudia Haider, aber es sei „nur menschlich, die Emotionen auch einmal loszulassen“. Ja, Emotionen - die haben sich aufgestaut. Sowohl bei Kickl wie seinen Gegnern.
Kommen Sie gut durch den Sonntag!
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