(Bild: KMM)

Klare Ansage

Dieser Kaiser machte Österreich wieder katholisch

Wissen Sie, warum es in Österreich so viele barocke Schlösser und Klöster gibt? Weil die katholischen Habsburger im Jahr 1620 in der „Schlacht am Weißen Berg“ einen folgenreichen Sieg davontrugen. Denn nach diesem  Sieg erfolgte in ganz Österreich ein barockes „face-lifting“.

Wo immer man auch hinblickt, die barocke Prachtentfaltung in Österreich ist omnipräsent. Die beliebtesten österreichischen Ausflugs- und Touristenziele – ob Schloss Schönbrunn, Stift Melk oder Prinz Eugens Schlösser, um nur einige hervorzuheben – sind Barockbauten. Warum? Weil die Habsburger am 8. November 1620, die „Schlacht am Weißen Berg“ gewannen.

Zur Vorgeschichte: Im Jahr 1590 kam ein Habsburger als Regent Innerösterreichs an die Macht, der später als Kaiser Ferdinand II. in die Geschichte einging. Ferdinand war ein strenggläubiger Katholik, und was er sah, gefiel ihm gar nicht: Die Reformation hatte sich im Heiligen Römischen Reich bereits stark ausgebreitet.

Kaiser Ferdinand II. (Bild: Nemeth / akg-images / picturedesk.com)
Kaiser Ferdinand II.

Zwar hatte Kaiser Karl V. schon 1521 das Wormser Edikt erlassen, mit dem die Lektüre und Verbreitung der Schriften Martin Luthers verboten wurden. Doch schon am Reichstag zu Speyer im Jahr 1529 hatten die evangelischen Stände gegen das Edikt protestiert – daher stammt auch der Name der Anhänger der neuen Konfession: „Protestanten“.

Große Teile Österreichs waren bereits protestantisch
Über den Adel, dessen Angehörige durch ihre Reisen leicht in Kontakt mit Protestanten kamen, hatte sich die neue Konfession auch in den habsburgischen Ländern rasch verbreitet. Jeder regionale Landesherr versuchte, die politische und religiöse Einheit seines Territoriums zu sichern, und so war es nur in seinem Sinne, dass seine Untertanen der gleichen Konfession angehörten wie er. Falls nötig, wurde der religiösen Einheit auch mit Zwang nachgeholfen.

Schnell zeichnete sich deshalb während der Reformation folgendes Muster ab: Wo der Adel zum Protestantismus übertrat, folgten ihm die Bauern nach. So waren zwischen 1520 und 1560 große Teile Nieder- und Oberösterreichs, der Steiermark und Kärntens protestantisch geworden. Dass der Protestantismus eine derart starke Anziehungskraft auf den Adel ausübte, lag nicht zuletzt daran, dass sich den Ständen durch ihn ein Mittel bot, sich gegen die katholischen Herrscher abzugrenzen.

Der Habsburger Ferdinand II. und die „Gegenreformation“
Mit Erzherzog Ferdinand kam nun ein energischer Betreiber der „Gegenreformation“, wie die Rekatholisierung der an die Reformation verlorenen Gebiete genannt wird, an die Macht. Von seiner Residenz Graz aus ließ Ferdinand zuerst die Steiermark mit harter Hand rekatholisieren: Evangelische Schriften wurden verbrannt, evangelische Prediger des Landes verwiesen. Vom Adel verlangte der Erzherzog ein klares Bekenntnis zum Katholizismus; wer dieses nicht erbrachte, musste das Land verlassen. Und die Grundherren mussten auch bei den von ihnen abhängigen Bauern die Rückkehr zum rechten Glauben erzwingen.

Als Ferdinand 1617 König von Böhmen wurde, waren die protestantischen Stände in Böhmen angesichts seines gegenreformatorischen Eifers alarmiert, waren hier doch bereits 90 Prozent des Adels protestantisch. Am 23. Mai 1618 drangen ihre Anführer in den Prager Hradschin ein und warfen die beiden obersten kaiserlichen Würdenträger aus Protest gegen die Beschneidung ihrer Privilegien aus dem Fenster.

Denn Hand in Hand mit der Gegenreformation ging ein Kräftemessen zwischen dem katholischen Landesherrn und den nun vorwiegend protestantischen Adeligen: Die Stände wollten ihre angestammten Rechte verbrieft wissen, dem Herrscher ging es darum, seine Vorherrschaft durchzusetzen – die Vorstufe der später als Absolutismus bekannten Herrschaftsform.

Zuerst ging es um Konfession, dann um politische Machtverschiebungen 
Dieser „Prager Fenstersturz“ stellte den Auftakt des Dreißigjährigen Krieges dar, eines jahrzehntelangen Religions-, Stände- und Staatenkonflikts, der in Deutschland und Böhmen ausgetragen wurde. In die kriegerischen Konflikte zwischen der „Katholischen Liga“ und der „Protestantischen Union“ griffen bald auch ausländische Mächte wie Spanien, Frankreich und Schweden ein. Konfessionsstreitigkeiten spielten dabei kaum mehr eine Rolle, nun ging es um handfeste politische Machtverschiebungen im Reich sowie um die Eigeninteressen der europäischen Unterstützer auf beiden Seiten.

1619 stieg Ferdinand schließlich auch zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches auf. Ein Jahr darauf schlugen seine katholischen Truppen den „Böhmischen Aufstand“ in der „Schlacht am Weißen Berg“ nahe Prag erfolgreich nieder. Diese Niederlage der protestantischen ständischen Truppen bewirkte, dass die Rekatholisierung in Böhmen reüssierte, und sie hatte Signalwirkung auf die anderen habsburgischen Länder. Denn die Niederschlagung des Aufstands und Ferdinands Umgang mit den Rebellen waren ein abschreckendes Beispiel: Fast der gesamte protestantische Adel wurde vertrieben, die Rädelsführer hingerichtet. Verschont blieb nur, wer konvertierte.

Nur wer katholisch war, konnte jetzt zu Ämtern und Würden gelangen
Die Besitzungen des protestantischen Adels wurden eingezogen und kaisertreuen katholischen Adeligen übergeben. Die habsburgischen Länder waren somit seit den späten 20er-Jahren des 17. Jahrhunderts wieder katholisch. Wer ab nun in der Habsburgermonarchie Ämter und Würden erlangen oder behalten wollte, musste Katholik sein. Nur in entlegenen Gegenden wie im oberen Ennstal, in Gosau und in Teilen Kärntens überlebte der Protestantismus.

Mit dem erfolgreichen Abschluss der Gegenreformation wurde die Grundlage für den Aufschwung des jetzt hereinbrechenden Barockzeitalters gelegt. Dieser Sieg der katholischen kaisertreuen Liga sollte auch optisch in Szene gesetzt werden.

Die barocke Prachtentfaltung, die den Menschen ab nun überall ins Auge sprang, war nicht zuletzt eine politische Machtdemonstration unter Zuhilfenahme der Kunst.

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