Der erste YouTuber in der Geschichte stammt aus Deutschland. Jawed Karim wurde am 28. Oktober 1979 in Merseburg geboren und lebt erst seit 1992 in den USA. Als einer von drei YouTube-Gründern lud Karim am 23. April 2005 einen nur 18 Sekunden langen Clip als erstes Video von einem Besuch bei den Elefanten im Zoo von San Diego auf die damals noch unscheinbare Videoplattform hoch. In den vergangenen 20 Jahren wurde das Kurzvideo allerdings knapp 360 Millionen Mal angesehen.
Als Startdatum für die YouTube-Plattform gilt aber der 14. Februar 2005. An diesem Tag meldeten die Freunde Chad Hurley, Steve Chen und Jawed Karim die Domain youtube.com an. Die drei ehemaligen PayPal-Mitarbeiter wollten ursprünglich eine Dating-Website schaffen, auf der Nutzer kurze Videos hochladen konnten, um sich vorzustellen. Dieses Konzept wurde jedoch schnell verworfen. YouTube entwickelte sich zu einer allgemeinen Videoplattform, auf der Benutzer Videos hochladen, teilen und ansehen konnten.
Erstes virales Video mit Ronaldinho
Nicht nur in der Internet-Community wurde YouTube schnell bekannt: Auch die Werbeindustrie entdeckte die Plattform rasch für sich. Im November 2005 knackte ein Werbespot mit Ronaldinho von Nike als erstes Video die Schwelle von einer Million Aufrufen. Das Zeitalter der viralen Videos war damit eingeläutet.
YouTube entwickelte sich rasant und stellte sogar Google Video in den Schatten – auch weil die damals noch unabhängigen YouTube-Gründer das Thema Urheberrecht weitgehend ignorierten. So waren auf YouTube Songs und Musikvideos kostenlos zu sehen und zu hören. Der Erfolg der Plattform trieb allerdings die YouTube-Gründer finanziell in die Enge, weil den ständig wachsenden Kosten für das Streaming kaum Einnahmen gegenüberstanden.
Auf der Suche nach einem solventen Kapitalgeber landeten die drei Freunde bei der damaligen Google-Video-Chefin Susan Wojcicki. Sie ließ sich schließlich von einem viralen Video zweier Buben überzeugen, die sich beim Playback-Singen eines Songs der Backstreet Boys gefilmt hatten.
Die finanziellen Details einer Übernahme handelten die YouTube-Gründer direkt mit Google-Chef Eric Schmidt und Firmengründer Larry Page aus. Am 9. Oktober 2006 wurde dann öffentlich bekannt, wie viel Geld der Internet-Riese für YouTube in die Hand nehmen möchte: 1,65 Milliarden Dollar (1,59 Milliarden Euro). Damals war das eine unvorstellbar hohe Summe, im Rückblick gesehen eher ein Schnäppchen. Google kaufte neben dem Know-how auch Marktanteile ein. YouTube hielt damals knapp 50 Prozent des Marktes, während Google Video nur auf 25 Prozent kam.
Baustelle Urheberrecht
Die drängendste Aufgabe für den neuen Eigentümer war es zunächst, den laxen Umgang mit dem Urheberrecht abzustellen. YouTube hatte bereits kurz vor der Übernahme Vereinbarungen mit großen Medienunternehmen wie CBS, Universal Music Group und Sony BMG getroffen, um rechtliche Probleme zu verringern.
Ein Jahr nach der Übernahme durch Google führte YouTube die Technik „Content ID“ ein, um den Schutz von Urheberrechten effizienter durchzusetzen. Das automatisierte Tool gleicht urheberrechtlich geschützte Inhalte mit einer Referenzdatenbank ab. Die Rechteinhaber können dann festlegen, ob ein Video mit ihren Inhalten durch Werbung vermarktet oder blockiert wird. Das System konnte allerdings nicht sämtliche Rechtsstreitigkeiten mit den Rechteinhabern befrieden.
Der Popularität von YouTube wuchs unterdessen immer weiter. Im März 2013 wurde erstmals die Schwelle von einer Milliarde Zuschauer pro Monat überschritten. Zum Erfolg trugen virale Videos wie „Evolution of Dance“ bei – das erste Youtube-Video, das die Marke von 100 Millionen Views hinter sich gelassen hat.
Ein echtes Internet-Phänomen ist auch der im Jahr 2012 veröffentlichte Song „Gangnam Style“. Dieser Clip war im Juni 2014 das erste Video, mit dem mehr als zwei Milliarden Aufrufe erzielt wurden. Mittlerweile sind es über fünf Milliarden.
Aber auch jenseits der Musikvideos ist die Plattform eine schier unerschöpfliche Fundgrube für Inhalte, von Reparaturanleitungen über Schmink- und Modetipps bis hin zu Testberichten über Handys, Laptops und dergleichen. Und immer wieder machen Promis auf YouTube Schlagzeilen. So startete im August 2024 Fußball-Weltstar Cristiano Ronaldo seinen eigenen YouTube-Kanal und erreichte innerhalb von 90 Minuten die Marke von einer Millionen Abonnenten – Weltrekord.
Politik auf YouTube
Die Plattform ist aber auch ein politisches Forum: So mischte in Deutschland etwa der YouTuber Rezo im Mai 2019 mit seinem Video „Die Zerstörung der CDU“ die politische Landschaft in Deutschland auf. Der Beitrag war 2019 das meistgesehene Video des Jahres und erreichte bis heute 20 Millionen Views. Die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim stellte im April 2020 ihr Video „Corona geht gerade erst los“ online. Es wurde zum meistgesehenen Video des Jahres und kommt mittlerweile auf über 6,7 Millionen Views.
Bei YouTube entscheiden die Urheber selbst, was sie produzieren und wie hoch die Produktionskosten sind. Wenn ein Video viele Aufrufe erzielt und Werbeeinnahmen generiert, beteiligt die Google-Tochter die „Creator“ mit 55 Prozent an diesen Einnahmen. Nach Angaben des YouTube-Chefs Neal Mohan hat sein Unternehmen innerhalb von drei Jahren 70 Milliarden Dollar an Kreative und Partner für Inhalte ausgeschüttet. YouTube geht dabei kein finanzielles Risiko ein: Wenn ein Video floppt, verdient das Unternehmen zwar nichts. Es verliert aber auch kein Geld.
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