Stadtarchiv

Rust lobte Eisenstadt wegen „intelligenter Bürger“

Burgenland
19.02.2025 06:01

Historische Überraschungen offenbart der Einblick in den reichen Fundus des Archivs der Freistadt. Von „erstaunlich“ und „hochinteressant“ bis „geistreich“ reicht das breite Spektrum an den Historikerbefunden.

Ins Staunen versetzt die Fülle an Dokumenten, Urkunden und Akten von anno dazumal, die in den Regalen des Ruster Stadtarchivs lagern und großteils digitalisiert werden. Allein die Aufzeichnungen mit Fokus auf den Neusiedler See sind fast unüberschaubar. Heute kaum vorstellbar ist, dass in den Anfängen der Ruster Geschichtsschreibung eine Wassertiefe von fünf Metern schriftlich festgehalten worden ist.

Die Freistadt wollte 1920 nicht zu Österreich
Szenenwechsel in die einstige Stadtpolitik: Ablehnend stand Rust dem Anschluss an Österreich gegenüber. Am 26. Jänner 1920 ist ein Tross mit elf Wagen und einer Schar an Bürgern nach Ödenburg gerollt, um vor der dort tagenden Kommission der Entente ein Veto einzulegen. An der Spitze standen Bürgermeister Alfred Ratz und Stadtpfarrer Franz Haubner. „Die Wagen werden bezahlt, sofern darauf Anspruch erhoben wird. Minderbemittelte erhalten auch eine Tagesdiät von 42 Kronen“, hieß es von der Stadtverwaltung.

Voller Eifer hilft Bachkönig schon seit vielen Monaten beim Durchforsten des Archivs und der Digitalisierung der historischen Unterlagen mit. Einblicke in die umfangreiche Arbeit gibt er morgen mit Historiker Krenn. (Bild: Grammer Karl)
Voller Eifer hilft Bachkönig schon seit vielen Monaten beim Durchforsten des Archivs und der Digitalisierung der historischen Unterlagen mit. Einblicke in die umfangreiche Arbeit gibt er morgen mit Historiker Krenn.

Vier Monate nach diesem Aufruf wurde ein ungarischer Wehrschutzverein gegründet, der sich ebenfalls gegen den Anschluss auflehnte. In der konstituierenden Sitzung forderte Ratz alle auf, „einmütig gegen den Friedensvertrag zu protestieren“. Ein Telegramm nach Budapest brachte keinen Erfolg. Der Frieden wurde am 4. Juni 1920 besiegelt, der Anschluss vollzogen.

Eisenstadt als Hauptstadt
Ein anderes Bild bot sich am 11. März 1924. Der Gemeinderat in Rust hat beschlossen, für Eisenstadt als Landeshauptstadt zu stimmen. „Durch ihre geografische Lage, den industriellen Stand und die hohe Zahl der intelligenten Einwohnerschaft kommt nur Eisenstadt infrage“, lautete die Erklärung im Protokoll.

Aufmarsch für eine „Hauptstadt im Burgenlande“. (Bild: Stadtarchiv Rust)
Aufmarsch für eine „Hauptstadt im Burgenlande“.

Vortrag am Donnerstag
Jeden ersten Samstag im Monat kann das Stadtarchiv von 10 bis 12 Uhr besichtigt werden. „Oder nach telefonischer Vereinbarung mit der Stadtgemeinde“, ergänzt Bürgermeister Gerold Stagl. Unter dem Titel „Rust in alten Ansichten – Streiflichter zur Stadtgeschichte“ geben Historiker Martin Krenn und Wolfgang Bachkönig als Vortragende morgen, Donnerstag, ab 18.30 Uhr im Seehof in der Hauptstraße 31 teils unbekannte Einblicke in die historische Sammlung.

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