10,3 Millionen Menschen haben am Sonntag in Deutschland ihre wichtige Zweitstimme gegeben. In den fünf ostdeutschen Bundesländern war die Rechtsaußenpartei klare Nummer eins. Gepunktet hat die AfD vor allem bei der Jugend.
Grafik: So hat Deutschland gewählt
Die AfD in den fünf ostdeutschen Bundesländern (Zweitstimmen):
Mit Blick auf die Wahlergebniskarte sticht ein nahezu gänzlich in AfD-Blau gefärbter Osten des Landes sofort ins Auge. Im West hingegen dominiert die Farbe Schwarz. Ein CDU-Politiker sprach am Wahlsonntag von einem „zweigeteilten Land“.
Ausnahme Berlin
Mit Ausnahme Berlins gewann die AfD fast alle Wahlkreise in Ostdeutschland. Lediglich im Wahlkreis Potsdam/Potsdam-Mittelmark setzte sich die SPD durch, sowie in Leipzig-Süd und in Erfurt/Weimar die Linke. In Berlin holte sich die AfD immerhin im Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf die relative Mehrheit.
In Deutschland haben die Wähler bei der Bundestagswahl zwei Stimmen. Mit der Erststimme wählen sie eine Person. Mit der Zweitstimme wählen sie eine Partei. Die Zahl der Zweitstimmen für eine Partei entscheidet darüber, mit wie vielen Abgeordneten diese Partei im Bundestag vertreten sein wird.
AfD-Hochburg Thüringen: Landeschef Höcke als Zugpferd
Wie stark die AfD vor allem in den Bundesländern der ehemaligen DDR war, zeigt sich am Beispiel Thüringen. Dort, wo der umstrittene Björn Höcke Landesparteichef ist, holte die Partei 38,6 Prozent der Zweitstimmen. In 150 von 596 Wahlgemeinden schaffte sie mehr als 50 Prozent, in 20 Gemeinden sogar mehr als 60 Prozent. In 30 Gemeinden wählte niemand die Grünen.
Im Bundesland Sachsen erreichte die AfD 37,3 Prozent der Zweitstimmen, im Wahlkreis Görlitz räumte sie gar 46,7 Prozent ab. Im Bundesland Sachsen-Anhalt holte die AfD 37,1 Prozent der Zweitstimmen. Im Wahlkreis Mansfeld schaffte die Partei von Spitzenkandidatin Alice Weidel 43,1 Prozent.
Wir werden die anderen jagen, dass sie vernünftige Politik für unser Land machen.
AfD-Chefin Alice Weidel
AfD auch im Westen stark
Im Westen kam die AfD nur auf etwa halb so viele Stimmen wie im Osten. Aber auch dort schnitt sie vielerorts stark ab. In der einstigen SPD-Hochburg Gelsenkirchen und in Kaiserslautern etwa erreichte sie den Spitzenplatz. Im übrigen deutschen Bundesgebiet ging die AfD in den Wahlkreisen leer aus.
Woher die Stimmen kamen
Die AfD konnte laut Infratest Dimap 1,8 Millionen Wähler aus dem Lager der Nichtwähler hinzugewinnen, eine Million Wähler aus dem Lager der Union, 890.000 FDP- und 720.000 SPD-Wähler. Jeder fünfte Wähler unter 25 Jahren wählte die AfD, nur die Linke bekam in der jungen Wählergruppe mehr Zuspruch.
Wir haben etwas, das im Osten passiert, und es kommt im Westen auch an.
Politikwissenschaftler Oliver Lembcke
Der Greifswalder Politikwissenschaftler Jochen Müller sagte, die AfD sei in der Lage gewesen, die Unzufriedenheit mit der Ampel-Regierung, aber auch mit der CDU einzufangen.
Politikwissenschaftler: Keine Protestwahl
Ihre Wähler würden sich bewusst für die Partei entscheiden. „Die wählen nicht versehentlich AfD“, sagte Müller. Sie stünden hinter den Positionen der Partei in der Migration oder bei der Abneigung der europäischen Integration. Für die anderen Parteien sei es nicht leicht oder unmöglich, sich auf diese Positionen zuzubewegen.
„Der Westen wird östlicher als der Osten westlicher“
Im starken Abschneiden der AfD sieht der Bochumer Politikwissenschaftler Oliver Lembcke Anzeichen, dass Entwicklungen aus Ostdeutschland auf Westdeutschland übergreifen. „Wir haben etwas, das im Osten passiert, und es kommt im Westen auch an“, sagte Lembcke der Deutschen Presse-Agentur. Die ostdeutschen Bundesländer seien eine Art Vorbote, in welche Richtung sich das politische System entwickle. „Jedenfalls wird der Westen in dieser Weise östlicher als der Osten westlicher.“
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