Lebenslange Haft

Femizid: „Hab sie durch ganze Wohnung gedroschen“

Gericht
25.02.2025 12:41

Er prügelte sie mit Fäusten, trat sie mit voller Wucht gegen Möbel – letztlich würgte er sie minutenlang. Bis die 49-Jährige tot war. „Irgendwie hat sich in mir ein Schalter umgelegt“, versucht der angeklagte Österreicher im Wiener Landl zu erklären. Wegen der unsagbaren Gewalt fasst er für den Mord lebenslange Haft aus – nicht rechtskräftig.

Zu Anfang schien zwischen dem Paar alles perfekt: „Nach vielen gescheiterten Beziehungen sehnte sich das Opfer nach der großen Liebe“, so die Staatsanwältin. Die 49-Jährige lernte den Wiener schließlich 2022 über die Dating-Plattform Tinder kennen. „Die Beziehung war grundsätzlich gewaltfrei und harmonisch.“ Bis zum 25. August letzten Jahres.

Unbegründete Eifersucht
„Mir ging es psychisch sehr schlecht. Mich haben Verlustängste geplagt. Sie war nicht besonders treu in den letzten Beziehungen. Ihr haben immer wieder Männer geschrieben“, so der 40-Jährige. „Waren Sie sehr eifersüchtig?“, fragt Richter Stefan Apostol – „Ja, kann man so sagen.“ Betrogen hätte sie ihn jedoch nie, muss der Wiener zugeben. Im Gegenteil: Sie hätte ihm immer wieder versichert, nur ihn zu lieben. 

„Fünf bis zehn Minuten“ zugedrückt
Und auch am Tag der grausamen Bluttat gab es weder einen Streit noch einen anderen Auslöser für die unsagbare Gewalt. Er wachte in der Früh auf, seine Freundin lag noch schlafend neben ihm – er schlug sie und trat sie mit voller Wucht. „Ich habe sie durch die ganze Wohnung gedroschen“, sagte er bei der Polizei. Schließlich nimmt er die 49-Jährige in den Schwitzkasten und drückt zu. „Ungefähr fünf bis zehn Minuten. Dann hat sie sich nicht mehr gewehrt“, erinnert sich der Angeklagte. Er lässt jedoch nicht los.

Gedenkkerzen für das Opfer (Bild: Imre Antal)
Gedenkkerzen für das Opfer

Mit emotionsloser Stimme – der Anruf wird im Mordprozess vorgespielt – alarmierte er die Polizei: „Ich habe meine Freundin erwürgt. Bitte kommen Sie.“ Eine Reanimation war nicht mehr möglich.

Angeklagter googelte „Femizide“ vor Mord
Die Frage nach dem Warum wird auch für den beisitzenden Richter immer lauter. „Das kann man nicht rational erklären“, so der unbescholtene 40-Jährige. Ihm hätte seine letzte Trennung zugesetzt, sein Vater sei früh gestorben, immer wieder hatte er mit depressiven Schüben zu kämpfen. Auch spricht er von mehreren Selbstmordversuchen. Ungefähr ein Jahr vor dem Mord begann er, sich mit Frauenmorden auseinanderzusetzen. Kurz vor der Bluttat googelte er „lebenslang in Österreich“, „Schusswaffe“ und „Femizide“. „Das war ein Mord mit Ansage“, stellt Gerichtspsychiater Peter Hofmann fest – zurechnungsfähig war der Angeklagte jedenfalls.

Zitat Icon

Das Opfer hatte zwei Töchter. Sie haben ihnen die Mutter geraubt.

Richter Stefan Apostol

„Wir reden die ganze Zeit über Sie. Was Sie für Verlustängste und Probleme hatten. Wie es Ihnen damit geht. Das Opfer hatte zwei Töchter. Sie haben ihnen die Mutter geraubt. Das ist eine sehr egozentrische Sicht“, lenkt Richter Apostol wieder auf das eigentliche Thema. Die Privatbeteiligtenvertreterin fordert für die zwei Kinder – 21 und 22 Jahre alt – jeweils 25.000 Euro. „Man kann das nicht mit Geld aufwiegen“, wirft Herr Rat berechtigterweise ein.

„Besonders bestialische Vorgehensweise“
Die Beratung der Geschworenen dauert nicht lange. Einstimmig sprechen sie den Wiener des Mordes schuldig. Er kassiert wegen der „besonders bestialischen Vorgangsweise“, wie Richter Stefan Apostol begründet, die Höchststrafe: lebenslange Haft – nicht rechtskräftig. Er schließt die Verhandlung mit den Worten: „Niemand möchte sich vorstellen, was das Opfer in seinen letzten Minuten durchlebt hat.“

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