Für Österreichs Frauen-Nationalteam hat es gegen Deutschland einmal mehr nichts zu holen gegeben. Die ÖFB-Truppe kassierte am Dienstag in Nürnberg gegen den Weltranglistendritten nach einer 1:0-Führung noch eine 1:4-Niederlage, verlor damit auch das sechste direkte Duell und hält nach dem zweiten Spiel in der Nations-League-Gruppe A1 weiter bei drei Punkten.
Die DFB-Auswahl (4) zog nach der zweiten von sechs Partien vorbei an die Spitze.
Annabel Schasching (3.) belohnte die couragiert auftretenden Österreicherinnen mit dem frühen Führungstreffer und ihrem Länderspieltor Nummer drei. Vor der Pause wäre auch ein weiterer Treffer möglich gewesen, es fiel aber nur das 1:1 durch Laura Freigang (39.). Nach dem Seitenwechsel war die größere Klasse des Favoriten augenscheinlich, mit Linda Dallmann (55.), Giovanna Hoffmann (70.) und Vivien Endemann (82.) trafen gleich drei Wechselspielerinnen.
Für Deutschland war es der erste Sieg nach dem 2:2 in den Niederlanden. Die Niederländerinnen gewannen in Glasgow gegen Schottland nach einem 0:1-Rückstand dank Toren von Lineth Beerensteyn (54.) und Chasity Grant (64.) noch mit 2:1, halten damit wie der Leader bei vier Punkten und das vor dem Doppel gegen Österreich am 4. April in Almelo und vier Tage später in Altach. Schottland ist vor den beiden Duellen mit Deutschland punktlos.
Drei Änderungen in Startelf
Teamchef Alexander Schriebl nahm drei Umstellungen in der Startelf vor. Für Sarah Zadrazil rückte wie erwartet Kapitänin Sarah Puntigam auf die defensive Mittelfeldposition zurück. Auf der linken Seite im Dreier-Mittelfeld davor kam Laura Feiersinger in die Mannschaft und neben ihr Carina Brunold, die in ihrem zweiten Länderspiel erstmals von Beginn an ran durfte. Die angeschlagene Marie-Therese Höbinger fehlte vorerst genauso wie Chiara d‘Angelo, die rechts in der Abwehr durch Laura Wienroither ersetzt wurde.
Die Ankündigung eines mutigen Auftritts wie gegen Schottland setzte die ÖFB-Elf von der ersten Minute in die Tat um. Ein Spielzug über mehrere Stationen machte einen Traumstart nach etwas mehr als zwei Minuten perfekt. Wie von Schriebl gewünscht, ging es nach Ballgewinn schnell nach vorne, über Brunold, Feiersinger und Lilli Purtscheller, die zur Mitte spielte, landete der Ball bei Schasching, die mit links souverän abschloss. Deutschland kam mit dem aggressiven Pressing der Österreicherinnen schlecht zurecht, es passierten immer wieder Ballfehler.
In der Offensive wurde der Favorit in der 19. Minute erstmals gefährlich, da parierte Manuela Zinsberger einen Schuss von Klara Bühl. Mehr in der Luft lag vorerst aber das 0:2, ein Patzer von Torfrau Stina Johannes, deren Pressball mit Purtscheller neben dem Tor landete, blieb ohne Folgen (20.). Drei Minuten später konnte sich Johannes dafür bei einem Linksschuss von Julia Hickelsberger-Füller auszeichnen.
Standard leitete deutsche Wende ein
Auf der anderen Seite wurde es fast nur bei Standardsituationen gefährlich, und so fiel auch der Ausgleich. Nach einer Bühl-Freistoßflanke leitete Rebecca Knaak direkt zur Mitte weiter, wo Freigang aus vier Metern einschob. Beide DFB-Akteurinnen hatten viel zu viel Platz. Gleich darauf hatte die ÖFB-Truppe Glück, dass es bei einem Zweikampf von Virginia Kirchberger mit Lea Schüller im Strafraum keinen Elfmeter gab.
Nach Wiederbeginn änderte sich die Charakteristik der Partie, die Gastgeberinnen übernahmen das Kommando, Puntigam und Co. konnten den laufintensiven Spielstil nicht mehr auf den Platz bringen. Besonders bitter war, dass zum Zeitpunkt des 2:1 Claudia Wenger wegen einer Verletzung an der Hüfte draußen war. In Überzahl traf Dallmann nach Ideal-Lochpass von Jule Brand. Noch schlimmer wurde es in Minute 70, wo Feiersinger mit einem Rückpass auf Dallmann ein Geschenk machte, deren Querpass verwertete Hoffmann. Für den Schlusspunkt sorgte Endemann, die nicht attackiert wurde und via Innenstange traf.
Da war auch schon Magdalena Rukavina im Spiel, die ab der 75. Minute debütierte. Später kam auch noch Melanie Brunnthaler zu ihrem Premiereneinsatz. Wie beim 0:4 am 16. Juli 2024 in Hannover setzte es wieder eine klare ÖFB-Niederlage auf deutschem Boden.
Deutschland – Österreich 4:1 (1:1)
Nürnberg, Max-Morlock-Stadion
SR Martincic (CRO).
Tore:
0:1 (3.) Schasching
1:1 (39.) Freigang
2:1 (55.) Dallmann
3:1 (70.) Hoffmann
4:1 (82.) Endemann
Österreich: Zinsberger – Wienroither (86. Brunnthaler), Wenger (57. Georgieva), Kirchberger, Hanshaw – Puntigam – Schasching, Brunold (57. Pinther), Feiersinger (75. D‘Angelo) – Hickelsberger-Füller (75. Rukavina), Purtscheller
Gelbe Karte Österreich: Feiersinger
Schottland – Niederlande 1:2 (1:0)
Glasgow, Hampden Park
Tore: Lawton (34.) bzw. Beerensteyn (54.), Grant (64.)
Die Stimmen zum Spiel:
Alexander Schriebl (ÖFB-Teamchef): „Ich bin der Meinung, der Knackpunkt war das 2:1, wo die Claudia verletzt raus hat müssen, da waren wir eine Spielerin weniger, das haben die Deutschen sehr gut genutzt zum Führungstreffer. Der hat uns ein bisschen den Wind aus den Segeln genommen und den Deutschen Rückenwind gegeben. Wenn die einmal im Flow sind, mit einer Wucht kommen, ist es ganz schwer, sie aufzuhalten. Ich denke, dass wir trotzdem über lange Zeit ein gutes Spiel gemacht haben. Wir können auf jeden Fall, wenn wir die richtigen Schlüsse daraus ziehen, gestärkt in die nächsten Spiele gehen.“
Manuela Zinsberger (ÖFB-Torfrau): „Wir haben das Tor relativ schnell gemacht, das war wichtig. Wir haben uns auch andere Chancen rausgespielt und hinten kaum etwas zugelassen. Das ist genau das, was wir uns vorgenommen hatten. In der zweiten Hälfte ist uns definitiv die Kraft ausgegangen, das Pressing hat daher nicht mehr funktioniert. Damit gibst du Deutschland die Möglichkeit, das Spiel zu verlagern, dann rennst du 40, 50 Meter nach hinten, das vier-, fünf- oder sechsmal hintereinander und wir haben die Räume nicht schließen können. Wir haben ihnen die Tore zu leicht gegeben, Deutschland hat auch die Qualität, die Tore dann zu machen.“
Christian Wück (DFB-Teamchef): „Die erste Halbzeit hat mir gar nicht gefallen. Da war sehr viel Stückwerk dabei, wir haben viele leichte Fehler gemacht und alle Zweikämpfe verloren. Ich war überhaupt nicht zufrieden, die Mädels aber auch nicht. Unsere Einwechslungen haben diesmal funktioniert, alle unsere Maßnahmen, die wir ergriffen haben, taten Gott sei Dank der Mannschaft gut – und das war der Schlüssel heute. Die eingewechselten Spielerinnen waren sofort da und haben die Mannschaft mitgezogen. So stelle ich mir das Mannschaftsgefüge vor.“
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