Von Konsum bis Leiner

Heimische Marken verschwinden immer mehr

Wirtschaft
26.02.2025 06:59

Der Konkurs der Möbelkette Kika/Leiner und die anvisierte Sanierung des Wäschehändlers Palmers haben hierzulande das Markensterben wieder in den Fokus gerückt. In den vergangenen 30 Jahren sind viele heimische Traditionsmarken verschwunden. Internationale Marken wie Ikea, H&M, Deichmann, Amazon und Netflix haben indes in Österreich reüssiert.

Traditionelle Marken, wie Konsum, LÖWA/Zielpunkt und Schöps bis Niedermeyer und Baumax sind aktuell stark betroffen. Marktforscher Wolfgang Richter vom Beratungsunternehmen RegioPlan ortet bei vielen verschwundenen Markenunternehmen Managementfehler, etwa beim Handelsriesen Konsum und bei den Familienunternehmen Sport Eybl, Baumax und Kika/Leiner.

Verändertes Konsumverhalten
Diese Unternehmen seien nicht von Mitbewerbern aus dem Markt gedrängt worden, erklärte der RegioPlan-Chef. Manche gescheiterten Firmen hätten auch ihren Betriebstypus nicht den geänderten Konsumgewohnheiten angepasst. Als Marken-Erfolgsbeispiele „made in Austria“ führte Richter Red Bull, Swarovski, Spar und XXXLutz an.

Heimische Wirtschaft
Die steigende Marktkonzentration durch Markensterben lässt sich gut im heimischen Lebensmittelhandel beobachten. Die Insolvenz des genossenschaftlichen Konsum Österreich (Supermärkte, Forum-Kaufhäuser, Gerngross) erschütterte im Jahr 1995 die heimische Wirtschaft. Österreichs damals größter Lebensmittelhändler wurde zerschlagen und die über 600 Filialen wurden zwischen Adeg, Billa, LÖWA, Meinl und Spar aufgeteilt.

1996 verkaufte der Gründer von Billa, Bipa und Merkur, Karl Wlaschek, seinen Handelskonzern an die deutsche Rewe-Gruppe. Bis 1998 verschwanden alle LÖWA-Märkte und wurden in Zielpunkt umbenannt. 2000 zog sich die Julius Meinl Gruppe aus dem Supermarktgeschäft (Julius Meinl, Pampam und Jééé-Diskont) zurück und verkaufte die Filialen in Ostösterreich an Spar und in Westösterreich an Billa. 2003 stellte Rewe seine Diskontermarke in Österreich von Mondo auf Penny um.

Lebensmittel- und Drogeriehandel
Im Lebensmittel- und Drogeriehandel ging der Konzentrationsprozess in den 2010er-Jahren weiter. Im Jahr 2013 meldete dayli (vormals Schlecker) Insolvenz an. Der oberösterreichische Lebensmittelgroßhändler C+C-Pfeiffer wurde 2016 an die Schweizer Transgourmet verkauft und die Pfeiffer-Tochter Zielpunkt ging im selben Jahr in Konkurs. Profiteure der Marktkonzentration in Österreich sind die vier größten Lebensmitteleinzelhändler. Spar, Rewe, Hofer und Lidl kamen zuletzt auf einen Marktanteil von über 90 Prozent. Zum Vergleich: In den 1970er-Jahren erreichten Konsum, Spar und der Zusammenschluss der Greisler (KHG) nur eine Marktabdeckung von über 40 Prozent.

Möbelketten in Österreich
Die steigende Übermacht der Möbelketten Ikea, Kika/Leiner und XXXLutz in den 1990er- und 2000er-Jahren ließ manch kleinere Möbelhändler aufgeben, etwa Michelfeit (2000) und Schwaighofer (2002). Mit dem Konkurs von Kika/Leiner verabschiedete sich der drittgrößte Möbelhändler in Österreich Ende Jänner 2025 vom Markt. XXXLutz deckt laut Branchenbeobachtern zuletzt 35 Prozent des heimischen Marktes ab, gefolgt von Ikea mit rund 20 Prozent und dem Fachhandel mit 12 Prozent. Die Dominanz der XXXLutz-Gruppe, zu der auch Möbelix und Mömax gehören, werde weiter wachsen in Richtung 40 Prozent, sagte der Vertreter der Möbelfachhändler, Christian Wimmer, kürzlich gegenüber dem ORF-Radiosender „Ö1“.

Auch Mode- und Schuhhandel betroffen
Im Mode- und Schuhhandel verschwanden in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Marken in Österreich, etwa Gazelle (2007), Ergee (2008), Schöps (2009), Don Gil (2011), Stiefelkönig (2018), Pimkie (2021), Orsay (2022), Delka, Salamander (beide 2023) und Esprit (2024). Die Schwäche der Konkurrenz ließ den Marktanteil von Deichmann, H&M, Primark und Zara steigen. Die heimische Elektronikkette Niedermeyer musste Insolvenz anmelden und schloss 2013.

Sport Eybl & Sports Experts
Nach der Übernahme von Sport Eybl & Sports Experts durch den britischen Sporthändler Sports Direct im Jahr 2014 wurde die Marke Sport Eybl im Jahr 2017 endgültig eingemottet. Die Baumarktkette Baumax übernahm sich mit ihrer Osteuropa-Expansion und wurde 2015 auf Betreiben der Gläubiger zerschlagen. Den Großteil der Baumax-Filialen in Österreich übernahm die deutsche Handwerkerkette Obi.

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