Es war ein monatelanges Geduldsspiel, das sich durch das Warten auf die Freigaben in verschiedenen Ländern verzögerte – und dann war der Deal ausgerechnet in der heißesten Phase des Überlebenskampfs um KTM durch: der Einstieg von Stefan Pierer, Mark Mateschitz und der RLB OÖ bei Rosenbauer. Die 119 Millionen Euro an den Feuerwehrausstatter sind bereits geflossen.
Den 20. Februar 2025 wird Stefan Pierer nicht so schnell vergessen: Einerseits erhielt der Restrukturierungsplan der Pierer Industrie AG, den die Gesellschaft im Zuge des europäischen Restrukturierungsverfahrens vorgelegt hatte, am Landesgericht Wels grünes Licht, was einen bedeutenden ersten Schritt im Kampf um die Rettung von KTM darstellte.
Andererseits setzte der 68-Jährige an diesem Tag auch seine Unterschrift unter den Zeichnungsschein, dank dem die von ihm mitgegründete Robau Beteiligungsverwaltung GmbH zum Besitzer von 3,4 Millionen neuen Rosenbauer-Aktien wird. Der Betrag von gesamt 119 Millionen Euro musste laut des Dokuments „sofort voll und bar“ auf das Konto von Rosenbauer überwiesen werden.
17,9 Millionen Euro müssen heute, Freitag, überwiesen werden
Tags darauf ließ die Bank Sebastian Wolf und Markus Richter, die Vorstände des Feuerwehrausstatters, wissen: Der gesamte Betrag durch die Robau, hinter der Stefan Pierer, Mark Mateschitz und zwei Gesellschaften der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich stehen, ist eingezahlt. Für die 7,53 Prozent an Aktien, die durch das antizipatorische Pflichtangebot in den Besitz der Robau wandern, ist heute, Freitag, Zahltag. Knapp 17,9 Millionen Euro werden da noch einmal fällig. Wann der Anteil, den man von Mitgliedern der Gründerfamilie übernimmt und der die Mehrheit sichert, beglichen wird, ist nicht bekannt.
Fakt ist: Dass die millionenschwere Übernahme der Mehrheit am weltweit führenden Feuerwehraustatter ausgerechnet jetzt stattfindet und Pierer dafür mit der Pierer Industrie AG Geld locker macht, während die Gläubiger bei KTM auf 70 Prozent ihrer Forderungen verzichten mussten, hinterlässt einen fahlen Beigeschmack. „Man muss das differenziert sehen. Die Rosenbauer-Rettung wurde schon vor längerer Zeit initiiert. In dieser Zeit hat sich für Herrn Pierer die Welt komplett geändert. Als er mit der Rosenbauer-Rettung anfing, da waren die Wolken dunkel, aber von Tsunami war da noch keine Rede“, sagt Florian Beckermann vom Interessenverband für Anleger.
Änderungen im Aufsichtsrat werden in den nächsten Wochen vollzogen
Außenstehende können die Vorgänge trotzdem schwer nachvollziehen und bringen wenig Verständnis auf. Ändern dürfte sich aber so schnell am vor Monaten gefassten Plan rund um das Robau-Konsortium aber nichts. In einer außerordentlichen Hauptversammlung, die wohl nächste Woche terminlich fixiert wird, werden Stefan Pierer, Mark Mateschitz, Friedrich Roithner und Gernot Hofer in den Aufsichtsrat von Rosenbauer einziehen. Seit Freitagmittag fix: Jörg Astalosch, aktuell Vorsitzender des Aufsichtsrates, wird bei der nächsten Hauptversammlung seine Funktion zurücklegen. Die industrielle Führung bei Robau hat die Pierer Industrie AG.
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